Im Austausch für nachhaltige Stadtgestaltung: Bremen & Durban
Shownotes
Städte weltweit stehen vor der Herausforderung, sich an den Wandel von Klima, Gesellschaft und Technologie anzupassen. Viele Städte haben eigene Wege der nachhaltigen Stadtgestaltung entwickelt, um diesen Herausforderungen zu begegnen. In Bremen und Durban werden digitale Tools genutzt, um die Städte zukunftssicher aufzustellen. In einer kommunalen Klimapartnerschaft teilen beide ihre Expertisen und lernen neue Herangehensweisen kennen. In dieser Folge erfahren wir von Jörn Hendrichs aus dem Referat für Internationale Kooperationen und Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Bremen und Nevana Srikissoon, Projektmanagerin aus der südafrikanischen Partnerstadt Durban…
…wie Städte von den Kompetenzen ihrer Partner profitieren können, …wie Bremen und Durban durch digitale Stadtplanung nachhaltige Entwicklung vorantreiben, …und was Datenvisualisierung und der „Digitale Zwilling“ damit zu tun haben.
Weitere Informationen zur digitalen Stadtplanung in Bremen findet Ihr hier: https://bremen.virtualcitymap.de/VCMap5/
Bremen und Durban wurden vom SKEW-Programm „Kommunale Klimapartnerschaften“ begleitet. Weitere Informationen dazu findet Ihr hier: https://skew.engagement-global.de/kommunale-klimapartnerschaften.html
Der Podcast „Kommune bewegt Welt“ wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
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Kommune bewegt Welt - der Podcast der SKEW
Andrea Gerhard
Herzlich Willkommen bei einer neuen Episode von Kommune bewegt Welt. Mein Name ist Andrea Gerhard und ich freue mich ganz besonders darauf, in diesem Podcast mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich mit ihrer Kommune für eine nachhaltigere und gerechtere Welt engagieren. Ob Klimaschutz, faire Lieferketten oder internationale Zusammenarbeit - Kommunen gehen hier ganz unterschiedliche Wege und nehmen uns im Podcast mit ein kleines Stückchen auf ihrer Reise. Heute geht es um ein Thema, das auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so viel mit Entwicklungspolitik zu tun hat, auf den zweiten aber dann doch: Tools zur digitalen Stadtplanung. Und dazu sprechen wir heute mit Jörn Hendrichs aus dem Referat Internationale Kooperation und Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Bremen. Und damit sage ich herzlich willkommen bei Kommune bewegt Welt, lieber Jörn.
Jörn Hendrichs
Hallo. Danke, dass ich hier sein darf. Und ja, wie man in Bremen sagt: Moin an alle Zuhörerinnen und Zuhörer.
Andrea Gerhard
Ja, ein herzliches Moin hier aus Hamburg zu dir, wo ich gerade sitze und aufnehmen darf. Wir freuen uns sehr, dass wir heute mit dir sprechen können. Wir haben uns vorher auf das Du geeinigt, da sage ich vielen Dank zu. Und du lebst und arbeitest in der norddeutschen Hansestadt Bremen und das Märchen Bremer Stadtmusikanten würde ich sagen, der Gebrüder Grimm, hat Bremen auf jeden Fall weltberühmt gemacht. Und die Staturen der vier Tiere, also Esel, Hund, Katze und Hahn ist ein ganz beliebtes Wahrzeichen und steht direkt vor dem Bremer Rathaus. Und soweit ich das recherchiert habe, zählt Bremen rund 580.000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt an der. Weser. Jörn, magst du uns vielleicht bitte einmal kurz erzählen, wer du bist, dich kurz vorstellen für alle, die hier heute zuhören?
Jörn Hendrichs
Ja, gerne. Ich arbeite hier im Referat für internationale Kooperationen. Und ja, die Behörde, in der ich das tue, das ist die Senatskanzlei, die gibt es ja bei euch in Hamburg auch. Und ja, wir sind eben für alles zuständig, was international ist, also was ich außerhalb von Bremen befindet sozusagen, also so eine Art Mini-Außenministerium, wenn man so will. Und dazu gehören eben auch die Städtepartnerschaften. Und Durban ist eine davon und ja, den Job mache ich jetzt schon 10 Jahre ungefähr, und es ist sehr abwechslungsreich und sehr vielfältig und macht eigentlich jeden Tag Spaß.
Andrea Gerhard
Was bedeutet denn für dich genau, Nachhaltigkeit, wie ordnest du das so in deinem, in deiner beruflichen Position ein, dieses Wort Nachhaltigkeit?
Jörn Hendrichs
Ja, also das ist natürlich unser riesen Oberthema. In unserer Abteilung ist auch die Zuständigkeit für die Umsetzung der Sustainable Development Goals im Bundesland Bremen verortet. Wir machen das sozusagen alles aus einer Hand, und das ist natürlich auch Kerngedanke unserer Städtepartnerschaften. Zusätzlich zu den klassischen Themen nenne ich sie jetzt mal wie Kulturaustausch, Wissenschaftsaustausch, was wir natürlich auch machen, aber gerade mit unseren Süd-Kommunen-Partnern ist eben Nachhaltigkeit so das ganz große Oberthema, weil es für die einfach nochmal eine viel stärkere tägliche Notwendigkeit ist, nachhaltig zu leben. Die Zukunft nachhaltig zu gestalten und insofern fließt das eigentlich so gut wie in alles, was wir hier tun, mit rein. Also sei es der fair gehandelte Kaffee, den wir hier trinken, bis zu den Projekten, die wir gemeinsam mit unseren Partnerstädten durchführen. Ja, ohne geht es einfach nicht.
Andrea Gerhard
Wir wollen ja heute ein bisschen ja über das ganze Thema Tools der digitalen Stadtplanung sprechen. Vielleicht um den Einstieg hier zu wagen: Die Hansestadt Bremen und die südafrikanische Hafenstadt Durban verbindet ja bereits seit vielen Jahren eine Partnerschaft und seit 2011 zusätzlich auch eine Klimapartnerschaft, die einigen von unsere Podcast Hörerinnen und Hörern vielleicht schon kennen. Eine Partnerschaft, in der ihr über zwei Jahre gemeinsam ein Programm mit Maßnahmen entworfen habt, um in euren beiden Kommunen Klimaschutz und Klimaanpassung voranzutreiben. Erzähl uns doch gern mal hier zu Beginn: Was war eure Motivation zu dieser Partnerschaftsarbeit, beziehungsweise diese Partnerschaft bei den Themen oder um die Themen Klima und Nachhaltigkeit zu erweitern?
Jörn Hendrichs
Mhm, also gerade für unsere Südpartner in Durban ist Klimaanpassung einfach ein Megathema. Das war es auch schon 2010/2011, als wir das angefangen haben, aber jetzt noch viel mehr. Vor zwei Jahren gab es in Durban massive Regenfälle und Überschwemmungen. Und da Durban so eine gewisse Hanglage, nenne ich das jetzt mal, zum Meer hin hat, sind solche Sturzfluten für die natürlich um Vielfaches gefährlicher als für uns. Da sind, ich glaube, zwei- oder dreihundert Menschen ums Leben gekommen innerhalb von zwei, drei Tagen, und das sieht man heute noch wieder, ganze Berghänge weggespült wurden, wo vorher halt Häuser standen. Und na ja, von Hitzeperioden und Trockenperioden ganz abgesehen. Also das war damals auch schon immer ein Thema. Und insofern war die Notwendigkeit von Anfang an ganz dringend, vor allem im Süden. Aber wir merken es einfach in Bremen auch immer stärker, also das haben sicher noch viele Hörerinnen und Hörer vor Augen, diese Überschwemmungen, die es in ganz Norddeutschland so um den Jahreswechsel 2023/2024 gab, und da waren auch weite Teile Briens komplett unter Wasser. Und ja, es wird deutlich, dass auch Klimaanpassung bei uns einfach immer wichtiger wird. Und die Kolleginnen und Kollegen in Durban haben einfach auch Expertise, wenn es zum Beispiel darum geht: Hitze in der Stadt - Wie gehe ich damit um, die wir einfach bisher nicht hatten? Weil wir es einfach nicht gebraucht hatten. Der Bremer Sommer ist ja wie der in Hamburg. Irgendwie mal zwei, drei Tage ein bisschen warm, aber ansonsten immer den Regenschirm dabei haben und das ändert sich einfach. Und insofern war das auch einfach eine Sache im beiderseitigen Nutzen und, und ja, die hat sich ausgezahlt, kann man durchaus sagen.
Andrea Gerhard
Warum ist euch generell die Partnerschaft zu Durban wichtig?
Jörn Hendrichs
Also sie ist historisch entstanden aus einer sehr starken Anti Apartheid Bewegung, die wir hier in der Stadt Bremen hatten. Die war Zivilgesellschaftlich getragen, also die gab es natürlich nicht nur in Bremen, aber hier in Bremen gab es besonders viele aktive Gruppen, die sich da engagiert haben. Und als dann der politische Wandel in Südafrika war, 93/94 war das ja so ungefähr, da ist dieses Engagement ja nicht einfach verschwunden, sondern das hat sich dann in eine normale, in Anführungszeichen “Städtepartnerschaft” umgewandelt. Und das war dann der Ausgangspunkt. Also der ist ja, wie viele Städtepartnerschaften, ist unsere Partnerschaft auf zivilgesellschaftlicher Initiative gegründet. Und, na ja, wir als Kommune sind daher hinterher aufgesprungen, wenn man das so sagen will. Und ja, insofern hat das einfach schon eine ganz starke historische Bedeutung. Und das ist einfach dann über die Jahre hat sich das immer weiter fortgesetzt und durch ganz viele unterschiedliche Austauschformate und Projekte sich ergänzt. Weltwärts zum Beispiel, also es gibt schon mehrere Durbaner, Bremer Babys von Menschen, die sich da gegenseitig gefunden haben, bei denen Austauschen. Ja, und insofern ist das auch oft der zwischenmenschlichen Ebene mittlerweile eine sehr lebendige Partnerschaft, also eine unserer lebendigsten, kann man glaube ich ohne Übertreibung.
Andrea Gerhard
Wir wollen uns heute ganz besonders eure Zusammenarbeit im Rahmen des Digital Twin Projekts anschauen, bei dem ihr mit verschiedenen digitalen Programmen arbeitet, um eben bestimmte Planungsprozesse für eine nachhaltigere Stadtentwicklung zu erleichtern. Um uns einmal alle abzuholen: Kannst du uns genauer erzählen, worum es in diesem Projekt geht und wofür genau ihr die digitalen Tools nutzt?
Jörn Hendrichs
Ja, gerne. Ich habe vor unserem Gespräch ein bisschen überlegt, wie ich das den Zuhörerinnen und Zuhörern so ein bisschen plastisch erklären kann, weil das ist, vor allem wenn man es nur erzählen kann, auch ein bisschen schwierig. Die Älteren unter uns kennen vielleicht noch das Computerspiel Sim City, wo man nur am Computer sitzt und so selber eine Stadt planen kann, also sagen kann, da kommt jetzt das Rathaus hin, kommt eine Polizeistation da, eine Straße dahin, Eisenbahn und so weiter. Und so ungefähr ist auch der digitale Zwilling, also das, worum es in unserem Projekt geht. Den kann sich jeder angucken auf der Website 3D.bremen.de, und das ist eine digitale Abbildung der Stadt Bremen. Also da ist durch Kartenmaterial, durch Vermessungsflüge, wurde ein digitales Abbild der Stadt Bremen geschaffen im Internet, und da ist jedes Gebäude, jede Straße, jede Erhebung, jeder Baum, jede Bushaltestelle, jede Brücke, darin abgebildet. Und na ja, man fragt sich dann, okay, ist ja nett, aber was bringt denn das? Und das wird für Stadtplanung hauptsächlich genutzt. Also heißt, man kann zum Beispiel simulieren, wo scheint die Sonne hin? Dann kann man gucken, okay, welche Dächer eignen sich denn für Solaranlagen zum Beispiel oder wo weht der Wind entlang oder wenn es stark regnet oder es eine Überschwemmung gibt, wo fließt denn dann das Wasser hin? Oder wenn ich ein neues Gebäude, eine neue Struktur in der Stadt bauen will, kann ich das virtuell sozusagen schon mal da reinstellen, ganz genauso wie bei Sim City, und dann gucken, okay, wie sieht denn das aus an der Stelle, wenn ich da ein Gebäude hinstelle? Wie sieht das mit den Sichtachsen aus? Wo wird der Schatten hingeworfen? Wie beeinflusst das den Wind? Wo entstehen vielleicht Hitzeinseln? Und ja, das ist ein Tool, was schon sehr intensiv genutzt wird und das es auch schon in einigen anderen Städten in Deutschland gibt. Und ja, unsere Durbaner Kolleginnen und Kollegen, die haben das gesehen, gesagt: Boah, toll, das wollen wir auch haben. Und ja, daraufhin ist das dann entstanden. Es findet ein Austausch statt und ich habe ja gerade erzählt, in Durban gab es schon Überschwemmungen. Also heißt, für die ist die Notwendigkeit, sowas zu haben einfach noch mal ein ganzes Stück größer, weil die natürlich dann damit simulieren können, okay, wenn es jetzt das nächste Mal ganz stark regnet. Wo sind denn die Bereiche, die dann wirklich wieder hart betroffen werden? Aus dem Grund hat sich die Stadt Durban entschlossen, das mit uns zu machen. Und seit ungefähr zwei Jahren fast sind wir dabei, das umzusetzen mit denen.
Andrea Gerhard
Den Link zu dem digitalen Zwilling von Bremen, den packen wir natürlich in die Shownotes, damit man sich das auch mal angucken kann. Ich habe das im Vorfeld natürlich getan, war total beeindruckt, habe eben auch das, was du gerade schon gesagt hast, diese Schattenwürfe sind mir total aufgefallen. Gibt es da vielleicht auch so zwei, drei konkrete Beispiele, die ihr durch euer Modell dann auch gelernt habt? Also zum Beispiel, ist denn der Rathausplatz, so eine Hitzeinsel potenziell gefährdet, oder gab es solche Erkenntnisse dann ganz konkret schon?
Jörn Hendrichs
Ja, also der Marktplatz, so nennen wir ihn, der ist nicht ganz so gefährdet, weil er sehr weit und offen ist, obwohl er natürlich komplett versiegelt ist leider. Aber klar, es gibt schon verschiedene Ecken in der Stadt, wo sich die Hitze stauen kann im Sommer, also wenn man so 30 Grad plus hat. Und ganz besonders nützlich war dieses Tool zum Beispiel bei der Entwicklung der Überseestadt. So nennen wir hier einen neuen Stadtteil in Bremen, der ist so ähnlich der Hamburger Hafencity, den vielleicht auch einige kennen.Und da wurde einfach und wird noch einfach ganz viel gebaut. Und auch im Sinne der Bürgerbeteiligung kann das Tool genutzt werden und urde es auch schon, sodass Menschen dann auch von zu Hause gucken können: Ach Mensch, wie sieht denn das aus, was da gebaut wird? Oder wie wird es aussehen? Und da können sie zum Beispiel so Kommentare dran pinnen, 3D virtuell also sagen so, da sollten noch Bäume hin oder da fehlt eine Bushaltestelle oder ja, alles Mögliche. Also der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Und für Windkraftplaner ist das zum Beispiel auch ganz wichtig. Das Tool in der Stadt Bremen haben wir natürlich auch Ausbauziele, was Windkraft angeht. Und für jemanden, der Windräder irgendwo hinstellen will, ist natürlich ganz wichtig zu wissen, okay, wie regelmäßig, wie konstant weht denn da eigentlich Wind? Und gerade in so stadtnahen Räumen kann wegen der Digitale Zwilling auch ein ja, ein wichtiges Tool sein.
Andrea Gerhard
Um noch mal auf die Zusammenarbeit und vielleicht auch den Wissensaustausch zwischen Durban und Bremen zu sprechen zu kommen: Welche Erfahrungen bringt Bremen ein und was wiederum lernt Bremen von Durban? Also wie ergänzen sich die Tools, die ihr nutzt im Austausch in eurer täglichen Arbeit?
Jörn Hendrichs
Also dieses Projekt, was wir mit Durban machen, das ist so ein Klassisches Geben und Nehmen. Also die Durbaner kriegen von uns sozusagen den Digitalen Zwilling und damit nicht nur den Zwilling an sich, weil ich mein, die Software können sie sich im Zweifel einfach selber besorgen. Aber es braucht natürlich Expertinnen, Experten, die dann wirklich in die Tiefe gehen und sagen, wie funktioniert denn das, auf was muss ich achten? Wie pflege ich da die Daten ein, die ich schon habe oder füge neue hinzu? Und ja, deswegen gibt es regelmäßige Online-Austausche zwischen unserer Fachabteilung und den Durbaner Kollegen. Auch Anfang 2024 waren wir dort vor Ort. Und ja, von morgens bis abends haben sich die Kolleginnen und Kollegen da vor die Computer gesetzt und den Digitalen Zwilling Durbans vorbereitet. Durban wiederum hat ein sehr interessantes Tool, das für uns sehr nützlich wäre. Das nennt sich Strategic Hub. Das ist ein etwas kryptischer Name für eigentlich eine schöne Visualisierung von öffentlichen Daten. Also ich würde sagen, den Link können wir dann auch gleich mit in die Beschreibung reinstellen, den schicke ich dann gerne noch. Man kennt ja diese üblichen Statistikportale, die man in Deutschland hat in den Städten, Kommunen und im Bund. Also: Wie viele Einwohner haben wir, Wahlergebnisse, Arbeitslosigkeit und so weiter. Und das sind ja meistens so Tabellen, und das sind meistens sehr, sehr trocken, also bestenfalls hat man dann vielleicht noch ein Graph oder so, wo es dann rauf oder runter geht oder ein Smiley, das lächelt oder traurig guckt. Und die Durbaner haben da eine Internetseite entwickelt, auf der die Daten sehr schön visualisiert sind und auch miteinander verknüpft werden können. Mein Lieblingsbeispiel ist: Die haben da eine Karte von Durban und da sind alle Verkehrsunfälle eines Jahres oder eines Monats, kann man aussuchen drauf verzeichnet auf so einer Heatmap ,und da kann man dann genau sehen: Okay wo sind denn Unfallschwerpunkte? Und da ist nicht nur der Ort des Unfalls verzeichnet, sondern auch der Wochentag, die Tageszeit, wie viele Menschen wurden verletzt, welche war Autofahrer schuld, oder ist der Fußgänger bei Rot über die Ampel gegangen oder was auch immer, so dass man sich das genau rausfiltern kann. Und sowas hätten wir auch gerne, weil sowas haben wir nicht bisher und deswegen liefert uns Durban die Expertise und die Software, um sowas auch bei uns aufzubauen und natürlich haben wir nicht alle Daten in der Detailtiefe wie Durban sie hat, teilweise muss man leider sagen, auch aus Datenschutzgründen. Und ja, aber so ist das ein Austausch, wie man immer so schön sagt auf Augenhöhe. Also Bremen sagt nicht nur, so Leute ,so funktioniert es, sondern es lernen einfach beide und das ist glaub ich so ein bisschen der Charme bei dem Projekt.
Andrea Gerhard
Was würdest du sagen, vielleicht noch mal den Versuch es kurz zusammen zu fassen: Warum ist eben diese Zusammenarbeit, dieser Wissensaustausch auf Augenhöhe, wie du ihn gerade auch beschrieben hast, zu diesem Thema so wertvoll für euch?
Jörn Hendrichs
Ganz platt gesagt, man bekommt gratis Expertise, für die man sonst viel Geld bezahlen muss. Es öffnet die Augen für neue Ideen, weil in der Verwaltung ist man ja manchmal so auf eingefahrenen Wegen: Ne, das haben wir jahrzehntelang so gemacht, also warum soll man es irgendwie anders machen? Dann sieht man eine tolle Idee, wie es vielleicht eine andere Stadt macht. Und ja, Mensch, dann probieren wir das doch auch bei uns mal aus. Und ja, das, gepaart mit dem internationalen Austausch, ist natürlich auch in Zeiten des Fachkräftemangels für kommunale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein schöner Anreiz.
Andrea Gerhard
Wie schon angekündigt, wollen wir ja auch die Projektmanagerinnen, auch deine Ansprechpartnerin sozusagen mit vom Team in Durban hier einmal zu Wort kommen lassen: Nevana Srikissoon. Sie hat uns eine Sprachnachricht geschickt, denn ich wollte auch von ihr wissen, ihr arbeitet ja auch gemeinsam mit Bremen am Digital Twins Projekt. Warum ist die Zusammenarbeit hier für beide Kommunen so wertvoll? Was lernt ihr? Das habe ich sie gefragt. Und hier ihre Antwort?
Nevana Srikissoon
Ja, die Zusammenarbeit zwischen Durban und Bremen bei den Projekten Digitaler Zwilling und Strategic Hub ist von sehr großem Nutzen für uns. Sie bietet uns Möglichkeiten, die Dienstleistungserbringung in beiden Kommunen zu verbessern, indem wir mit diesen beiden Tools eben Werkzeuge kennenlernen, die für eine bessere, evidenzbasierte Entscheidungsfindung genutzt werden können. Dabei nutzen beide Städte die Stärken der jeweils anderen Stadt im Bereich Technologie. Das heißt, Bremen bringt zum Beispiel Fachwissen bei der Entwicklung, der Wartung und der Erweiterung des Digitalen Zwillings ein und Durban innovative Ansätze für die Arbeit mit Daten, also zum Beispiel Daten Interoperabilität, Datenintegration, das Datenmanagement oder auch Datenvisualisierung. Die Zusammenarbeit bietet uns also eine tolle Möglichkeit zum Wissensaustausch, bei dem Durban und Bremen von den Erfahrungen des jeweils anderen im Bereich des Stadtmanagements lernen können. Und obwohl sich das Projekt dabei auf die technologischen Lösungen des Digitalen Zwillings und des Strategic Hub konzentriert, hat die Interaktion auch schon zur Identifizierung weiterer Bereiche für einen potenziellen Wissensaustausch geführt. Durban profitiert zum Beispiel auch von Bremens fortschrittlichen technologischen Lösungen in verschiedenen anderen Bereichen. Und Bremen erhält Einblicke in die Herausforderungen und die innovativen Lösungen von Durban in Bereichen, wie Abfallmanagement oder auch dem Umgang mit dem Klimawandel. Die Zusammenarbeit steht dabei auch im Einklang mit den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung, also den SDGs oder auch den Sustainable Development Goals. Denn durch die Zusammenarbeit wollen beide Städte ihren Beitrag zur Erreichung der SDGs erhöhen und tun dies zum Beispiel in Bereichen wie Stadtmanagement, Umweltmanagementpraktiken, Verbesserung der Wasser und Abwassersysteme oder der Förderung erneuerbarer Energien.
Andrea Gerhard
Lieber Jörn, der ja tatsächlich in dem Fall auch Kontinent übergreifende Austausch ist sicher auch mit Herausforderungen verbunden. Ich kann es mir sonst nicht anders vorstellen, wie das funktioniert. Was ist denn aus deiner Sicht wichtig, damit die Zusammenarbeit gut, gerade wenn man sich jetzt von eurem Beispiel hier noch mal inspirieren lassen möchte in einer anderen Kommune?
Jörn Hendrichs
Ganz wichtig, das ist glaube ich in interkommunalen Beziehungen nicht anders als in zwischenmenschlichen Beziehungen, ist Vertrauen super wichtig. Und man muss sich gegenseitig kennen und schon mal live begegnet sein und am besten die Verhältnisse vor Ort auch schon mal gesehen haben, damit man weiß, wovon spricht der andere oder die andere eigentlich, weil man lebt ja so in seiner eigenen Realität, du in Hamburg, ich in Bremen und denke ja so ist halt die Welt. Aber in Durban werden Sachen einfach manchmal anders gesehen und dann wird nicht immer erklärt, wenn man kommuniziert, was man denn jetzt genau meint, sondern man spricht aus seinem Kontext heraus und insofern ist es für alle Projektbeteiligten einfach total wichtig, mal da gewesen zu sein, sich das vor Ort mal angeguckt zu haben und na ja, mit am wichtigsten ist auch, einfach mal abends mal ein Bier zusammen getrunken zu haben, damit man ein Vertrauensverhältnis hat und nicht einfach nur jemanden auf einer Videokonferenz sieht oder eine E-Mail-Adresse schreibt. Sondern damit da auch eine Kommunikationsebene entsteht. Also das ist elementar wichtig, egal welche Projekte man macht.
Andrea Gerhard
Und würdest du sagen, dass diese Kommunikation eben auch eine der größten Herausforderungen ist, oder fallen dir da vielleicht noch andere Punkte ein?
Jörn Hendrichs
Ja, unbedingt. Also es ist eine Verwaltung. In Durban ist es nicht anders als in der Verwaltung in Bremen oder in jeder anderen Stadt. Es gibt mal Fluktuationen, Verwaltungsvorschriften stehen irgendwas entgegen, die wir nicht kennen. Hier in Bremen oder umgekehrt. Also zum Beispiel ist der öffentliche Beschaffungsprozess, der ist in Deutschland ja schon immer eine riesen Herausforderung, gerade wenn es um größere Sachen geht. Aber in Südafrika ist das noch mal eine ganz andere Hausnummer, also deren Vorschriften, wenn es darum geht, Dinge zu beschaffen, sei es jetzt die Software, die wir brauchen oder einfach nur Büromaterial oder so. Das ist viel, viel strenger und viel bürokratischer, als das bei uns ist. Das können wir uns hier sogar manchmal gar nicht vorstellen, wie bürokratisch das ist und wie lange das dauern kann. Ja, also es gibt viele Herausforderungen. Umso wichtiger ist stetiges Kommunizieren, ja, gegenseitiges Verständnis.
Andrea Gerhard
Total ja. Und das Vertrauen, was du angesprochen hast, das find ich natürlich auch sehr wichtig. Wir haben übrigens dieselbe Frage dann auch noch mal Nevana gestellt und hören jetzt mal rein, was sie auf diese Frage des Austausches und der damit verbundenen Herausforderungen uns geschickt hat.
Nevana Srikissoon
Genau, eine Kontinent übergreifende Kooperation wie die zwischen Bremen und Durban ist natürlich auch mit besonderen Herausforderungen verbunden. Und da gibt es aus meiner Sicht einige Schlüsselfaktoren, die sicherstellen, dass unsere Zusammenarbeit so gut funktioniert. Das ist erstens eine klare und konsistente Kommunikation, bei der wir Sprachbarrieren überwinden und Verständnis für unterschiedliche Kommunikationsstile haben. Zweitens müssen wir uns auch der kulturellen Unterschiede bewusst sein und diese respektieren. Das heißt, dass wir gegenseitig versuchen, die lokalen Gepflogenheiten, die Arbeitsethik und die Entscheidungsprozesse zu verstehen. Drittens müssen dann beide Kommunen eine ganz klare und gemeinsame Vision und gemeinsame Ziele für die Zusammenarbeit haben. Das trägt dazu bei, unsere Bemühungen aufeinander abzustimmen und sicherzustellen, dass auch beide Städte auf gemeinsame Ziele hinarbeiten. Der nächste Punkt ist die Offenheit für Veränderungen und auch eine gewisse Anpassungsfähigkeit an neue Methoden und Ideen, die uns bei der Bewältigung und Vorhergesehener Herausforderung helfen können. Ich würde also sagen, Flexibilität bei der Herangehensweise und bei der Problemlösung ist ein ganz wichtiger Schlüssel. Die fünfte Voraussetzung sind engagierte Führungskräfte, die die Zusammenarbeit unterstützen und auch entschlossen handeln können. Dabei sollte die Führung auch ein Umfeld des Vertrauens und der Zusammenarbeit fördern. Und sechstens muss sichergestellt werden, dass beide Städte auch ausreichend Ressourcen bereitstellen, also Zeit, Personal und Finanzmittel, da wir die Projekte nur so erfolgreich umsetzen können. Und der siebte Punkt, den ich absolut entscheidend finde, ist gegenseitiger Respekt und Verständnis zwischen den Teammitgliedern. Wir haben das Glück, ein Team zu haben, das sehr gut zusammenarbeitet und sich dafür einsetzt, dass das Projekt die gewünschten Ergebnisse erzielt. Ja, und zu guter Letzt müssen auch Unterschiede in logistischen Details berücksichtigt werden, also zum Beispiel der Zeitpunkt der Sommerferien in beiden Städten und die entsprechenden Auswirkungen auf die Arbeitspläne. In der Zusammenarbeit zwischen Bremen und Durban haben wir, denke ich, versucht, uns auf all diese Faktoren zu konzentrieren und schaffen es, so glaube ich, sehr, sehr gut, möglichst erfolgreich zusammenzuarbeiten und Herausforderungen, die aufkommen, auch gut zu begegnen.
Andrea Gerhard
Vielen Dank noch mal nach Durban, damit wir auch eure Sicht sehen konnten. Und ja, liebe Grüße an der Stelle auf jeden Fall liebe Nevana, vielen Dank Jörn, dass du heute bei uns warst und das Thema zur nachhaltigeren Planung dank digitaler Tools uns nähergebracht hast. Da finde ich, macht ihr schon ganz viel richtig. Ich wünsche euch ganz viel Erfolg weiterhin in der Zusammenarbeit und hoffe dann, wir sehen und hören uns an anderer Stelle noch mal wieder, lieber Jörn.
Jörn Hendrichs
Ja, vielen Dank und danke, dass ich heute hier sein durfte. Es hat mir Spaß gemacht.
Andrea Gerhard
Das war Jörn Hendrichs aus dem Referat Internationale Kooperation und Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Bremen. Das war sie, unsere Kommune bewegt Welt Episode zum Thema Digitale Stadtplanung für zukunftsfeste Städte Bremen und Durban. Danke, dass ihr zugehört habt und bitte vergesst nicht, in unsere Shownotes reinzuschauen. Dort findet ihr nicht nur weitere Infos zur Partnerschaftsarbeit von Bremen und Durban, sondern auch alle Links zu den Angeboten der SKEW, der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, das Partnerschaftsprojekt mit Durban, das uns Jörn heute hier vorgestellt hat, wurde von der Servicestelle Kommune in der Einen Welt, kurz SKEW, finanziell gefördert. Und wenn auch ihr gemeinsam mit einer Partnerkommune ein Projekt umsetzen wollt und dafür noch finanzielle Unterstützung braucht, werft doch mal einen Blick in die Shownotes, da haben wir euch auch die Förderangebote der SKEW verlinkt sowie zu den digitalen Tools, wie wir es schon in der Folge angeteasert haben. Und wie immer gilt, klingelt einfach mal bei der Service Hotline durch und lasst euch am Telefon beraten, welche Förderung am besten zu eurer Projektidee passt. Jetzt verabschiede ich mich von euch und sage bis zur nächsten Episode Kommune bewegt Welt. Wir freuen uns, wenn ihr uns bis dahin abonniert, bewertet oder weiterhin empfehlt. Tschüss, das war eure Andrea. Bis zum nächsten Mal. Der Podcast Kommune bewegt Welt wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global und im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
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