Gemeinsam für Klimaschutz und Klimaanpassung: Ludwigsburg & Ambato
Shownotes
Dürreperioden, Hitze in der Stadt oder Starkregen – diesen Herausforderungen begegnet Ludwigsburg in Baden-Württemberg nicht alleine: Seit 2017 pflegt die Kommune eine Klimapartnerschaft mit Ambato in Ecuador. Gemeinsam arbeiten die Städte am Klimaschutz und der Klimaanpassung, um zukunftsfest zu werden.
Moderatorin Andrea Gerhard spricht mit Holger Heß, Leiter des Referats Stadtentwicklung, Klima und Internationales Ludwigsburg über…
…die klimatischen Herausforderungen, Lösungsansätze und gemeinsam entwickelte Ideen beider Kommunen, …die Bedeutung einer positiven und motivierenden Kommunikation zum Klimaschutz, …und die entscheidende Rolle internationaler Zusammenarbeit gegen den Klimawandel.
Mehr über die Zusammenarbeit zwischen Ambato und Ludwigsburg findet ihr hier: https://www.ludwigsburg.de/start/rathaus+und+service/klimapartnerschaft+mit+ambato.html
Und hier geht's zur Website der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) und ihrem kostenfreien Unterstützungsangebot für nachhaltige Entwicklung in Kommunen weltweit: https://skew.engagement-global.de/
Das Projekt „Klimapartnerschaften“ der SKEW mit inhaltlicher und finanzieller Begleitung, an dem auch Ludwigsburg und Ambato teilgenommen haben, findet ihr hier: https://skew.engagement-global.de/kommunale-klimapartnerschaften.html
Wir fördern Kommunen auch finanziell: Zum Beispiel für Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekte in Partnerkommunen im Globalen Süden: https://skew.engagement-global.de/foerderprogramm-fuer-kommunale-klimaschutz-und-klimaanpassungsprojekte.html
Der Podcast „Kommune bewegt Welt“ wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
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Kommune bewegt Welt - Der Podcast der SKEW
Andrea Gerhard
Herzlich Willkommen zu unserer Episode von Kommune bewegt Welt. So schön, dass ihr eingeschaltet habt. Ich freue mich ganz besonders darauf, in diesem Podcast mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich für ihre Kommune für eine nachhaltigere und gerechtere Welt engagieren. Ob Klimaschutz, faire Lieferketten oder internationale Zusammenarbeit. Kommunen gehen hier ganz unterschiedliche Wege und nehmen uns im Podcast ein kleines Stückchen dabei mit. Heute werfen wir einen Blick auf die Klimaanpassungsprojekte der Stadt Ludwigsburg und wie die Zusammenarbeit mit der Partnerkommune Ambato in Ecuador wertvolle Erkenntnisse für beide Städte liefert. Ludwigsburg engagiert sich bereits intensivst vor Ort, doch durch den Austausch mit Ambato können neue Lösungsansätze gewonnen werden. Und ich freue mich, jetzt verbunden zu sein mit Holger Heß, Leiterreferat Stadtentwicklung in Ludwigsburg, Klima und Internationales. Lieber Herr Heß, beziehungsweise lieber Holger, wir haben vorher besprochen, dass wir beim Du bleiben und ich sage erstmal herzlich willkommen bei Kommune bewegt Welt!
Holger Heß
Ja, liebe Andrea, herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung und Einladung zu diesem allerersten Podcast, der auch für mich der allererste ist. Es freut mich, dass ich da dabei sein darf.
Andrea Gerhard
Wie schön, dann können wir heute quasi hier doppelt Premiere feiern. Hab es gerade schon ewähnt, wir werden ein bisschen heute über Klimaanpassung sprechen und was ihr alles richtig macht, was sind die Herausforderungen. Was klappt richtig gut, was klappt noch mittelmäßig? Welche Tipps kannst du uns hier mitgeben an alle Interessierte? Und vielleicht fangen wir mal an, über das Thema zu sprechen, was die klimatischen Herausforderungen in Ludwigsburg sind. Und wie ihr euch für die zunehmenden Risiken, wir wissen es alle, durch den Klimawandel darauf vorbereitet.
Holger Heß
Tatsächlich war bei dem integrierten Stadtentwicklungskonzept das Thema Klima und Energie schon auf der Agenda. Aber ist ja eine Weile her schon. Wir haben zwischenzeitlich natürlich weitere Fachkonzepte und auch Forschungsprojekte in der Stadt gehabt, Klimaanpassungskonzept. Und ich, ich nenne vielleicht 23 Beispiele, dann wird es deutlicher: Wir haben bei der Stadtklimaanalyse modelliert, auch mit Unterstützung durch eine Hochschule. Wie entwickeln sich unter Annahme verschiedener Szenarien die einzelnen Flächen Stadträume im Stadtgebiet? Also wie wird das von der Hitzebelastung sein? Und das Besondere aus meiner Sicht dabei ist, dass man einen besonderen Fokus auf die sogenannten vulnerablen Gruppen gelegt hat, also die Menschen, die, ich sag mal etwas flapsig, die das auch nicht mehr so locker wegstecken. Ja, das sind Ältere, das sind Menschen mit Einschränkungen, körperlicher Einschränkung, sind aber vor allem auch Kinder natürlich, wie muss ich da eine Stadt künftig drauf einstellen? Mal so eine Geschichte. Das zweite die Bilder aus dem Ahrtal. Ich glaub die haben alle noch im Kopf. Thema Starkregen, Risikomanagement, mit dem beschäftigen wir uns auch. Erstellen da Analysen, Karten, um vor allen Dingen, das ist glaub ich entscheidend, die Bevölkerung zu sensibilisieren, was sie selbst auch dazu beitragen kann und nicht erst, wenn die Garage vollgelaufen ist, dann die Sandsäcke herholt.
Andrea Gerhard
Oder eine Pumpe aus dem Baumarkt? Genau.
Holger Heß
Ja, ja, genau. Und das Dritte vielleicht: Manche schmunzeln aber beim Thema Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Bereich. Ja, also wir kennen das auch aus dem Urlaub, wie froh man ist, wenn man irgendwo Trinkwasser nachfüllen kann und in dem Maße, wie sich Plätze aufheizen. Und wir haben von der Stadtgründung her auch eine sehr schöne barocke Stadtstruktur, aber ist halt auch viel versiegelt, da mit dem entsprechenden Angebot künftig auch den Menschen eine Unterstützung anzubieten, ist ganz wichtig.
Andrea Gerhard
Das finde ich sehr progressiv. Und natürlich kann ich das nur begrüßen als eine Person, die immer ihre Wasserflasche dabei hatte zum Auffüllen. Was waren denn jetzt ganz konkret die ersten Schritte von Ludwigsburg in Richtung Klimaangepasste Stadtplanung? Waren das, wie du gerade schon erwähnt hast, die vulnerablen Gruppen oder gab es noch einen aller, allerersten Schritt?
Holger Heß
Das ist so in der Rückschau tatsächlich gar nicht so einfach zu beantworten, zumal wir immer Wert darauflegen, zu unterscheiden, was sind unsere Anstrengungen auf dem Weg hin zur Klimaneutralität? Dann wird es das ambitionierte Ziel 2035 klimaneutral zu sein. Und was ist Klimaanpassung? Es vermischt sich manchmal ein bisschen, weil natürlich, ich sag mal Entsiegelung mehr Grün im öffentlichen Raum zahlt ja auf beides ein, ja, erhöht einerseits die Aufenthaltsqualität, reduziert Hitzebelastung auf der anderen Seite klar, Bäume sind optimal, was jetzt die CO 2 Bilanz angeht. Insofern ich will eins rausgreifen, das war nicht der allererste Schritt, aber das ist, was in diesen Tagen realisiert wird nach wirklich langjähriger Diskussion und Planungsvorlauf. Ludwigsburg Barockstadt, hatte ich erwähnt, war auch Garnisonsstadt und eine innerstädtische Fläche jemals bei einer Kaserne wird in diesen Tagen entsiegelt, war über Jahrzehnte Parkierung ,Parkplatz. Man kann sich vorstellen, keine leichte, keine leichte Diskussion auch im politischen Raum.
Andrea Gerhard
Kann ich mir vorstellen.
Holger Heß
Und da sind wir sehr froh, da wird auch über Städtebauförderung wird es unterstützt, diese Fläche wird entsiegelt, den Menschen nächstes Jahr als ein innerstädtischer Platz mit viel Grün und Aufenthaltsqualität übergeben. Da freuen wir uns alle riesig drauf.
Andrea Gerhard
Ja, das ist ja immer der große Punkt der Kommunikation, finde ich auch. Wie erklärt man es den Bürgerinnen und Bürgern, was sie auch gewinnen können mit dieser Veränderung? Weil wir kennen das ja, dass Veränderungen manchmal uns n bisschen schwerfallen als Gewohnheitstiere. Aber wenn es dann natürlich irgendwie kühler wird, grüner wird und auch leiser wird, was ja in dem Fall bei deinem Beispiel der Fall ist, dann kann man doch die Menschen auf die Seite ziehen und vielleicht dann doch überzeugen. Generell würde mich das überhaupt interessieren, also wie ihr sozusagen die Bürgerinnen und Bürger von Ludwigsburg mit einbezieht und welche Rolle würdest du einschätzen, spielt denn auch eben dieses Bewusstsein für die Forderung dieser Veränderung, dieser Maßnahmen in den Köpfen der Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger?
Holger Heß
Also nach meiner Beobachtung wurde in der Vergangenheit nicht nur Ludwigsburg, sondern bundesweit in der Kommunikation wurden Fehler gemacht. Man hat, und zwar ohne böse Absicht, mit Szenarien gearbeitet, die ihr Angst gemacht haben. Wir haben seit diesem Jahr eine Kampagne laufen, die heißt “Lust auf” und nach dem “Lust auf” kommt eine Klammer, die man befüllen kann. Also die Klimaanpassung oder die Schritte auf dem Weg zur Klimaneutralität sind nichts, was uns Angst machen muss, sondern was Lust machen kann, weil wir vielleicht unser Mobilitätsverhalten verändern, vielleicht auch unsere Ernährung umstellen, bis hin zu Balkonsolaranlagen und andere Dinge. Ich glaub, das ist ganz wichtig, welchen Zungenschlag gibt man dem Thema mit? Das zweite, Wir hatten vor zwei Jahren eine Bürgerinnenbefragung zu verschiedenen Themen, unter anderem auch zu den Themen Klimaanpassung und Klimaschutz, und haben eine große Bereitschaft gehört. Die Aufforderung, die Stadt muss da mehr tun. Jetzt wissen wir, wenn es drum geht, konkrete Maßnahmen umzusetzen, kommt manchmal schon der Spruch “Not in my backyard”, gern woanders, aber nicht bei mir. Aber der Kontakt vor Ort in den Quartieren, wenn wir Sanierungsberatung machen, der ist unglaublich wertvoll.
Andrea Gerhard
Das glaube ich ja. Den Spruch kenne ich gut und vor allem habe ich jetzt Lust auf noch mehr mit dir, lieber Holger, weil wir wollen natürlich noch ein bisschen tiefer eintauchen in das ganze Thema Klimaanpassung, aber auch Zusammenarbeit mit der Partnerkommune und der internationale Austausch, was das alles für Vorteile mit sich bringt und vielleicht auch Herausforderungen. Ihr habt ja als Partnerkommune Ambato in Ecuador und soweit ich das recherchiert habe, besteht diese Partnerschaft seit 2017 und Ambato liegt in einer Anden Hochebene auf ungefähr 2570 Metern Höhe und hat circa 180.000 Einwohner und Einwohnerinnen. Ludwigsburg hat, ja kann man fast so sagen oder grob die Hälfte ein bisschen mehr als die Hälfte ungefähr 95.000 Ludwigsburger und Ludwigsburgerinnen. Erzähl mir doch ein bisschen von eurer Zusammenarbeit. Also welche Projekte setzt ihr im Rahmen dieser Partnerschaft um und wie kam das überhaupt zustande? Habt ihr euch gefunden als Partnerschaft?
Holger Heß
Ja, gerne. Aber vielleicht ein kleines Schmankerl zu Beginn, die 2600 Höhenmeter, die du erwähnt hast. Also das merkt man, wenn man dann dort aus dem Auto steigt nach der Anreise, dass die Luft schon dünner ist. Kommen wir vielleicht nachher noch drauf. Ja, Ludwigsburg hatte ja bereits eine Klimapartnerschaft mit Kongoussi in Burkina Faso, auch eine ganz wertvolle Zusammenarbeit, aber um die geht es ja heute nicht. Wir haben in der Stadt ein Honorar Konsulat Ecuadors und der Botschafter Ecuadors hatte Kontakt zu unserem Honorarkonsul und hat, und das wirklich sehr ernsthaft, geworben um eine Partnerschaft, weil er beobachtet hat, dass zunehmend der Einfluss Chinas in Ecuador wächst. Und, das habe ich als Wertschätzung empfunden, er sagt, er hat also der Botschafter, als er in Deutschland studiert hat, die Deutschen als sehr zuverlässig, auch was die Technik angeht, wahrgenommen, und würde gern da stärker kooperieren. Und dann gab es 2016 in Quito, also in der Hauptstadt Ecuadors, die “Habitat III” Konferenz. Da war eine kleine Delegation aus Ludwigsburg dort und da wurden die ersten Kontakte geknüpft mit den offiziellen Vertreterinnen aus Ambato. So ist das entstanden. Dazu kam, dass wir auch national sozusagen auf dem Schirm waren und da auch die Unterstützung bekommen haben hier eine Partnerschaft anzugehen.
Andrea Gerhard
Okay, du hast aber eben schon so n bisschen angekündigt, dass da natürlich auch Klimatisches vielleicht an der einen oder anderen Stelle ein bisschen anders ist als in Ludwigsburg. Also was sind die klimatischen Bedingungen in Ambato? Würdesr du sagen, gibt es da Gemeinsamkeiten zwischen Ludwigsburg und Ambato? Und was sind denn auch neben den Gemeinsamkeiten vielleicht die Herausforderungen?
Holger Heß
Gemeinsamkeiten sind, wir hatten vorher ganz kurz über Starkregenereignisse gesprochen, die nehmen in Ambato auch zu. Auch das Thema Trockenperioden, die Ambato hat um die Stadt herum, die ja mit 180.000 Einwohnerinnen relativ groß ist, aber sehr viel Landwirtschaft, Obstbau, Blumen und die leiden unter der zunehmenden Trockenheit. Die Stadt selber liegt, du hattest es erwähnt, in der Anden Region, relativ nah am Äquator, also insofern schon ein deutlicher Unterschied zu Ludwigsburg von der Höhe mal abgesehen. Unser höchster Punkt im Stadtgebiet ist irgendwas um 360 Höhenmeter, also da sieht man dann schon die Dimension. Spannender Unterschied aufgrund der Struktur im Stadtgebiet: In Ambato gibt es sogenannte Stadtschluchten, das heißt, die Topographie ist eine echte Herausforderung. Wir haben bei uns ja den Fluss Neckar und da gibt es sogenannte Steillagen, also Weinberge, unlängst mit einer Lage beschäftigt im Stadtgebiet, wo wir ein Szenario hatten, das durch Starkregen auch so ein Weinberg ins Rutschen kommen kann. Und Ambato hat sich mit der Frage auch schon beschäftigt. Die haben Sensoren in den Stadtschluchten teilweise angebracht, um frühzeitig die Bevölkerung warnen zu können, falls aufgrund von Starkregenereignissen da auch mal ein Erdrutsch passieren könnte.
Andrea Gerhard
Das ist natürlich ein ganz konkretes Beispiel, was ich wunderbar finde, wie man voneinander lernen kann und was sozusagen auch ja an einem ganz anderen Fleck in der Welt zu dem Thema passiert. Welche Herausforderungen gibt es noch so, die mit der Zusammenarbeit, mit den Projekten bewältigt werden können? Und was können sie vielleicht noch voneinander lernen? Gibt es da vielleicht noch andere Sachen, die sich Ludwigsburg oder eben auch Ambato abgeguckt hat?
Holger Heß
Also mit Sicherheit. Corona war für uns alle ja eine völlig neue Erfahrung. Wir hatten einen Krisenstab, und Ambato auch. Und wir haben diese beiden Krisenstäbe miteinander vernetzt, also online natürlich. Und konnten sehen, wie die auf bestimmte Dinge reagieren und konnten unsere Erfahrungen dort weitergeben, und auch in einem Aspekt mit Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung auch tatsächlich unterstützen. Was sich auch gezeigt hat: Die Verwaltung in Ambato ist sehr schlagkräftig, aber nach einer Wahl, also wenn ein neues Stadtoberhaupt gewählt wird, wird ein Großteil der Führungsriege, das ist bei denen so, ausgetauscht. Das heißt, wenn wir in den Projekten unterwegs sind, gemeinsam. Ist es schon eine Herausforderung, die Kontinuität auch sicherzustellen, was bisher aber immer gelungen ist.
Andrea Gerhard
Interessant. Jetzt natürlich ganz wichtige Frage, Holger: Wie habt ihr auch, also als deutsche Kommune von diesen gemeinsamen Projekten profitiert, die ihr an den Start gebracht habt?
Holger Heß
Das ist immer noch der Fall. Also wir haben profitiert. Profitieren weiterhin. Ich will zwei, drei konkrete Beispiele nennen. Es gab ein tatsächlich zivilgesellschaftliches Projekt. Das hat den Titel “1.000 Bäume für Ambato, 100 Bienenweiden für Ludwigsburg”, also Stichwort Biodiversität. Die 1.000 Bäume sind noch nicht gepflanzt, man hat angefangen, die 100 Bienenweiten gibt es auch noch nicht alle, aber man hat angefangen. Und das Besondere dabei, es ist von der Zivilgesellschaft getragen, das Projekt. Mittlerweile, Ambato hat eine große Hochschule, haben wir eine Kooperation ein Stück weit mit angestiftet zwischen der Hochschule in Ludwigsburg, der Pädagogischen Hochschule und der Hochschule Ambato, die an einem sehr regen Austausch interessiert sind. Ebenso Schulprojekte, wohl wissend, dass Ecuador jetzt nicht wirklich um die Ecke ist. Aber mittlerweile geht ja sehr viel auch über Online Medien Austauschformate. Und, da sind wir ein Stück weit stolz: In einem Kooperationsprojekt mit unserer Wirtschaftsförderung waren vor wenigen Wochen vier Studenten aus Ambato in Ludwigsburg bei Unternehmen in Ludwigsburg, um da ein Transfer auch mal zu ermöglichen, für beide Seiten wohlgemerkt. Und das Thema Fachkräfte beschäftigt uns ja auch.
Andrea Gerhard
O ja. Sehr groß.
Holger Heß
Und da reden wir schon nicht mehr über Klima Partnerschaften. Entschuldigung. Wenn ich also - da geht es wirklich um eine breit angelegte Kooperation im Sinne von voneinander lernen, ja.
Andrea Gerhard
Würdest du sagen, dass das eben auch dadurch möglich ist, dass man sich auch immer mehr vertraut? Ihr seid ja im Austausch, ihr kennt euch ein paar Jahre, Dinge funktionieren, man merkt auch, es sind keine leeren Worte vielleicht gegenseitig, sondern man hat wirklich eine Ambition. Ist das auch so ein Thema, was da für Vertrauen sorgt und eben diese Vorteile hervorhebt oder warum willst du sagen ist so eine Partnerschaft auch wertvoll?
Holger Heß
Also tatsächlich. Der Schlüssel aus meiner Wahrnehmung ist, man begegnet sich auf Augenhöhe. Also wir sind nicht die Reichen irgendwo aus Europa. Sich auf Augenhöhe zu begegnen, im Wissen, wir ringen gemeinsam um die besten Lösungen, und zwar für beide Seiten. Ein Beispiel: Wir hatten mit am Anfang ein Projekt, da war die Uni Hohenheim mit am Start, da ging es um eine Analyse der Abwasserreinigung, die da am Anfang kaum oder nur marginal möglich war. Mittlerweile ist eine große Kläranlage da errichtet. Also da findet ein Transfer statt und ich glaub das ist das, wo beide Seiten dann letztlich von profitieren.
Andrea Gerhard
Lieber Holger, Ich höre, hier kommt gerade eine Sprachmemo rein, und zwar aus Ambato. Vor unserem Gespräch habe ich nämlich Ambato ein paar Fragen gestellt, zum Beispiel, welchen Mehrwert die Zusammenarbeit mit Ludwigsburg für sie hat und was sie anderen Kommunen raten würden, ähnliche Partnerschaften einzugehen. Also lasst uns direkt mal nach Ambato schalten.
Marlo Pacífico Brito Fuentes aus Ambato
Ich habe gelernt, dass die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den Akteuren von grundlegender Bedeutung ist. Wir haben auch gesehen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen den Nationen ist. Denn der Klimawandel wirkt wie ein Schmetterlingseffekt, manchmal unmerklich, bis der Schaden eintritt. In Ecuador haben wir gerade drei gegensätzliche Phänomene erlebt. Zum einen Überschwemmungen, zum anderen Waldbrände, die Städte wie Quito in Mitleidenschaft gezogen haben und schließlich eine lange Dürreperiode, die zu Stromausfällen auf nationaler Ebene geführt hat. Wir leben diesen Prozess des Klimawandels auf dramatische Weise, und wir müssen gemeinsam handeln. Ich möchte die Kommunen, vor allem die kleinen und mittleren, dazu einladen, sich zusammenzuschließen. Lassen Sie uns Erfahrungen austauschen, lassen Sie unser gemeinsames Handeln zum Markenzeichen für diese dringenden Anpassungsprozesse an den Klimawandel machen. Der Anpassungsprozess ist nicht passiv, im Gegenteil, es ist ein Prozess des direkten und unmittelbaren Handelns, um Leben zu retten, um Katastrophen zu verhindern, um das Leben auf unserem Planeten zu sichern.
Andrea Gerhard
Vielen Dank für diese wichtigen Einblicke direkt aus Ecuador. Ganz liebe Grüße in die Ferne. Es ist auf jeden Fall deutlich geworden, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit für beide Städte ist und welche Erkenntnisse aus dieser Partnerschaft gewonnen werden können. Lasst uns nun zurück, wieder zu Holger Heß nach Ludwigsburg kommen. Ich möchte jetzt, Holger, mit dir auch noch einen Ausblick unbedingt wagen. Also du hast gerade von den 100 Bienenwiesen erzählt, von den 1.000 Bäumen, also ein Ongoing Projekt, an dem ihr gerade an der Umsetzung weiterhin arbeitet. Mit der Zivilgesellschaft, was natürlich richtig toll ist. Was ist denn noch so geplant? Welche Themen liegen auf dem Tisch, wollt ihr noch gemeinsam angehen oder was steht gerade in den Startlöchern beziehungsweise in der Vorbereitung?
Holger Heß
Tatsächlich, wenn wir zusammen sind, auch in online Meetings und überlegen, welche Projekte könnten wir noch? Und es laufen ja auch noch Projekte, sag ich gleich noch was dazu, dann merke ich tatsächlich, wie es sprudelt - auf beiden Seiten, weil man merkt, man kann was bewegen. Bewegen auch deswegen, weil es diese tolle Unterstützung einfach auch gibt durch SKEW, eine Förderkulisse, die aus meiner Sicht unvergleichlich ist. Da sind wir auch sehr froh um diese Unterstützung. Konkret gibt es seit diesem Sommer eine Fahrradschule in Ambato. Ich hatte die Topographie erwähnt, die mag ein Grund sein, warum es kaum Radfahrende dort bisher gab. Beziehungsweise die Menschen gar nicht Fahrrad fahren können. Und die Idee war jetzt, wir machen eine Fahrradschule mit Unterstützung, ein Leihsystem, das wie sagt man so schön, der Appetit kommt beim Essen. Also wenn die mal merken, was es für Vorteile hat, kurze Strecken mit dem Rad zurückzulegen und ein Fahrrad einfach nur mal ausleihen können, da erhoffen wir uns großen Erfolg. Das zweite, und das ist durchaus vergleichbar mit uns. Wir haben ja auch manchmal Luft, Belastungen, Schadstoffbelastungen, die jenseits und Gut und Böse sind. Wir haben dort in einem im Projekt Sensoren installiert, ein Datennetz aufgebaut zum Monitoring der der Luftqualität. Also es wird gemessen, wie die Schadstoffbelastung in der Luft ist, um dann die Hebel zu finden, das auch zu verbessern, und das ist tatsächlich 1 zu 1 vergleichbar mit uns.
Andrea Gerhard
Und Holger, vielleicht noch mal zusammengefasst: Welche Herausforderungen habt ihr bei der Umsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen erlebt und wie habt ihr die überwunden?
Holger Heß
Es wäre schön, wir hätten schon alles überwunden. Ich beobachte, dass es gerade eher zunimmt, konkret: Ich glaub, das ist kein Geheimnis, das geht vielen Kolleginnen und Kollegen in den Städten so geht. Die Kassen werden knapper und da braucht man schon gute Argumente, warum man sich auf eine Klimapartnerschaft einlässt, in Kongoussi, das ist ja die eine in Afrika und die andere in Ecuador. Und manche sagen ja: Das ist weit weg, was interessiert uns das? Solche Vorbehalte gibt es. Und was geholfen hat und weiterhin hilft: Wir haben das große Glück, wir haben einen Ehrenbürger in der Stadt, der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler. Und Horst Köhler hat vor vielen Jahren noch in seiner Funktion, gesagt: Wir müssen die Probleme Europas in Afrika lösen. Das heißt also Thema Fluchtbewegung, Migration. Wir müssen dort schauen, mit unseren Möglichkeiten, Lebensbedingungen zu schaffen, dass die Menschen dort leben können. Das war zu einem der Grund für unser Engagement auch in Kongoussi. Das zweite: Man braucht Menschen, und zwar über alle Gruppierungen hinweg, in Vereinen, in Schulen oder unser Beispiel mit der Hochschule, die das als Chance sehen, als Chance, nicht nur über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, sondern als Chance im besten Sinne einer Win-Win-Situation von so einer Partnerschaft, von einer Kooperation zu profitieren. Und das ist uns in weite Teile wirklich gelungen. Nicht jedes Projekt konnten wir umsetzen wie geplant, aber auch das gehört dazu, Lessons Learned, beim nächsten Mal setzt man es halt anders auf. Insofern, weil du mich gefragt hast, Andrea, nach Ratschlägen, ich tu mir da schwer. Ich versuch es mal vielleicht ja mit einem Bild zu beschreiben: Wenn man Menschen findet, die, die offen sind für Neues, die sich begeistern lassen, die erkennen, man kann was beitragen zur Verbesserung der Lebensqualität bei sich vor Ort und auch woanders, dann hat man schon die Hälfte sozusagen gewonnen.
Andrea Gerhard
Das stimmt, das hast du sehr schön gesagt und da habe ich mir das doch richtig gedacht, dass wahrscheinlich die schwäbische Bescheidenheit da zum Thema Ratschläge erstmal ein bisschen zurückgerudert, aber da muss ich natürlich kurz nachfragen. Es ist ja ein zentrales Thema, das Thema Geld oder Budget oder Kassen. Sind sie voll, sind Sie leer? Zum einen ist ja vielleicht nicht hier uninteressant zu erwähnen, dass die SKEW auch projektbezogen Fördergelder verteilt. Also da kann man sich auf jeden Fall gerne mal auf der Website umschauen. Nächste Frage, lieber Holger: Wen oder vielleicht auch welche Akteurinnen und Akteure sollte man unbedingt ins Boot holen, wenn man eben ja Kimaanpassungsprojekte umsetzen möchte? Wer darf nicht fehlen, wen vergisst man vielleicht schnell mal, aber ist eine zentrale Figur? Ja, erzähl uns doch da ein bisschen über deine Expertise.
Holger Heß
Gut also, alles steht und fällt natürlich mit der politischen Meinungs- und Willensbildung im Gemeinderat, keine Frage, der entscheidet über die Budgets, der entscheidet über die Personalausstattung. Ich glaub, das ist in alle Kommunen so dann. Am Beispiel Ambato natürlich ein Glücksfall für uns, dass das Honorarkonsulat hier in der Stadt ist. Ja, da sind manche Abstimmungen einfacher möglich, als wenn man das jetzt nicht hätte. Und das zweite: Mit ins Boot zu nehmen, unbedingt die jüngere Generation. Es soll heißen, über die Hochschule, über Schulen, die Interesse haben an einem Austausch, weil, nach meiner Beobachtung, die diese Offenheit für solche Einflüsse oder auch Erfahrungen, vielleicht das bessere Wort, diese Offenheit, die muss man auch wecken, und das muss Lust machen. Da sind wir wieder bei unserem Motto Lust auf. Und ich glaube, das ist auch so ein Schlüssel.
Andrea Gerhard
Auf jeden Fall einfach ein tolles Motto, was natürlich perfekt zu unserem Thema heute passt. Auch vielleicht noch zwei Fragen an dich zum Abschluss. Die eine Frage wäre: Im Gespräch haben wir viel über internationale Zusammenarbeit gesprochen. Was aind so Argumente oder wie kann man Menschen, Bürgerinnen und Bürgern, aber vielleicht auch anderen Playern der Stadt entgegnen oder beziehungsweise wie kann man ihnen begegnen, die kritisch gegenüber so einer internationalen Zusammenarbeit stehen?
Holger Heß
Also ist ja so, dass wir auch einige klassische Städtepartnerschaften haben. Ludwigsburg hat. als erste deutsche Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg mit Montbéliard eine deutsch-französische Städtepartnerschaft begründet. Charles de Gaulle hat in Ludwigsburg auf dem Schlosshof eine hochbemerkenswerte Rede an die deutsche Jugend gehalten. Also, es mag ein hochtrabender Begriff sein, ich sag es, Völkerverständigung findet im Kleinen statt, in der persönlichen Begegnung. Der Klassiker ist natürlich der Austausch von Schulen, aber auch Sportmusikvereine, miteinander ins Gespräch kommen, wertschätzen, was vielleicht anders ist und den Horizont, den eigenen Blickwinkel vielleicht auch zu verändern. Ich bin überzeugt, es muss uns gelingen, Veränderungen als was ganz Normales zu begreifen und nicht als Bedrohung. Und wir werden, also ich mach ein Beispiel, vielleicht war mancher von unseren Zuhörer, Zuhörerinnen, in Italien im Sommerurlaub. Das ist selbstverständlich, dass es über Mittag Siesta gibt. Und die Menschen erst wieder rauskommen, wenn es ein bisschen kühler ist. Ich weiß nicht, wie sich bei uns unser Leben in den nächsten Jahrzehnten noch entwickeln wird, aber wir sollten uns einfach drauf einstellen und den Wandel konstruktiv begleiten. Und schauen, was wir selber auch tun können.
Andrea Gerhard
Vielleicht das Ganze auch als Chance zu begreifen, oder?
Holger Heß
Ja, unbedingt ja.
Andrea Gerhard
Mir hat das Gespräch mit dir auf jeden Fall sehr viel Motivation gegeben und gesehen, dass ihr in Ludwigsburg wirklich schon einiges richtig macht. Aber auch ich sag mal kein Blatt vor den Mund nehmt, was die Herausforderungen sind oder vielleicht auch Dinge, die dann noch nicht so gut gelaufen sind oder laufen. Also vielen Dank hier für deine Offenheit, lieber Holger Heß, liebe Grüße in den Süden, sicher, dass hier viele Interessierte davon profitiert haben, was du heute hier mit uns zum Thema Klimaanpassung, aber auch natürlich Partnerschaft mit Ambato in Ecuador geteilt hast. Dafür möchte ich dir ganz herzlich danken.
Holger Heß
Also liebe Andrea, herzlichen Dank. Ich hatte ja gesagt, Premiere für mich, fand mich super gut aufgehoben, danke dir.
Andrea Gerhard
Wenn ihr jetzt mehr über die Projekte aus Ludwigsburg und Ambato fahren möchtet, dann klickt gerne einmal auf den Link in unseren Shownotes. Und falls ihr sogar selbst mit eurer Kommune darüber nachdenkt, gemeinsam mit Partnerkommunen aus dem globalen Süden zu Klimaschutz oder Klimaanpassung zu arbeiten, dann schaut auch gerne einmal in unsere Shownotes. Denn wie wir alle wissen, brauchen gute Ideen und Engagement für eine nachhaltigere Entwicklung neben, ganz viel Leidenschaft und Einsatz, auch manchmal Unterstützung und, ganz simpel gesagt, Geld, um die Ideen zu finanzieren. Und da gibt es ein ganz umfangreiches Angebot der SKEW, der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global, die auch die Klimapartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Ambato über zwei Jahre lang begleitet hat und deren Seite euch einmal in den Shownotes verlinkt haben. Vielleicht ist da ja auch etwas für euch dabei. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal - eure Andrea. Der Podcast Kommune bewegt Welt wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global und im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
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