Eine Strategie für Nachhaltigkeit & globale Verantwortung: Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Shownotes

Mit der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien können Kommunen ihr Handeln langfristig an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 orientieren. Im Zentrum steht dabei, das eigene Handeln so zu gestalten, dass es Menschen in der eigenen Kommune sowie weltweit eine gutes Leben ermöglicht und dabei die Ressourcen des Planeten langfristig schützt. So übernehmen zahlreiche Kommunen auch globale Verantwortung für eine friedliche und stabile Gesellschaft – etwa, indem sie sich der fairen Beschaffung verpflichten, Klimaschutz betreiben oder international zusammenarbeiten.

Wie der Weg zur Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie in der Praxis aussehen kann, berichtet in dieser Episode Doreen Scheffler, Referentin des Landrates aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Im Gespräch beleuchtet sie unter anderem…

…warum der Kreis Nachhaltigkeit als übergeordnetes Ziel denkt, an dem sich kommunale Entscheidungen orientieren sollen, …wie das Vorgehen von der Bestandsaufnahme zur Strategieentwicklung war, …und wie die Arbeit an der Strategie die amtsübergreifende Zusammenarbeit in der Kreisverwaltung vorantreibt.

Weitere Infos zum Nachhaltigkeitsmanagement des Landkreises Anhalt-Bitterfeld finden sich auf der Website des Kreises: https://www.anhalt-bitterfeld.de/de/klimaschutz-und-nachhaltigkeitsmanagement.html

Auch Ihr möchtet mit Eurer Kommune an einer Nachhaltigkeitsstrategie arbeiten oder zunächst mit einer Bestandsaufnahme starten? Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) begleitet solche Prozesse kostenfrei und unterstützt mit ihrem Beratungs- und Seminarangebot: https://skew.engagement-global.de/global-nachhaltige-kommune-nachhaltigkeitsmanagement.html

Der Podcast „Kommune bewegt Welt“ wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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Transkript Folge LK Anhalt-Bitterfeld

Kommune bewegt Welt - der Podcast der SKEW

Andrea Gerhard

Herzlich Willkommen zu einer neuen Episode von Kommune bewegt Welt. Mein Name ist Andrea Gerhard und ich freue mich ganz besonders darauf, in diesem Podcast mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich mit ihrer Kommune für eine nachhaltigere und gerechtere Welt einsetzen und engagieren. Ob Klimaschutz, faire Lieferketten oder internationale Zusammenarbeit - Kommunen gehen hier ganz unterschiedliche Wege und nehmen uns hier im Podcast ein kleines Stückchen dabei mit. Und heute sprechen wir mit dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt, der gerade dabei ist, eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie zu erarbeiten, um das Handeln des Landkreises langfristig an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen zu orientieren. Und mein Gast heute ist Doreen Scheffler. Sie ist Referentin des Landrates. Herzlich Willkommen bei Kommune bewegt Welt, liebe Doreen.

Doreen Scheffler

Liebe Andrea, Ich freue mich sehr, im SKEW-Studio zu sein und sage Hallo.

Andrea Gerhard

Wie schön. Ja, wir haben uns vorher auf das Du geeinigt, deswegen duzen wir uns hier ganz direkt, was mich sehr freut. Ich habe ein bisschen recherchiert und habe herausgefunden, korrigiere mich bitte sehr gerne, wenn ich da falsch liege, dass der Landkreis Anhalt-Bitterfeld ungefähr 160.000 Menschen beherbergt, und er befindet sich im südöstlichen Teil Sachsen-Anhalts. Wichtige touristische Ziele sind die Goitzsche Seenplatte oder Seelandschaft. Dann gibt es aber auch noch einiges an historischen Schlössern und Gärten zu entdecken sowie das Biosphärenreservat Mittelelbe. Kennst du all diese Sehenswürdigkeiten, die ich da herausgefunden habe?

Doreen Scheffler

Selbstverständlich, ich bin eine Eingeborene. Ich bin in den 70er Jahren im Landkreis geboren worden, bin hier zur Schule gegangen, habe den Landkreis dann nur kurzzeitig für meine Ausbildung und das Studium verlassen und bin Rückkehrer. Und unser Landkreis hat nicht nur touristische Attraktionen, es hat auch in puncto Nachhaltigkeit ganz viel zu bieten. Es gibt gerade an der Goitzschen Seenlandschaft, die du angesprochen hattest, vom BUND das Wildnisprojekt, die haben über 20 Jahre eine Landschaft einfach sich selbst entwickeln und verändern lassen. Und was uns heute erwartet, ist wirklich eine wunderbare Natur, eine wunderbare Tierwelt. Wir aben eine Kranichkolonie da. Wir gehen sehr, sehr liebevoll mit dem Biber um. Also das ist für alle, die Natur mögen, wirklich ein gutes Ziel.

Andrea Gerhard

Das ist sehr gut. Ich bin ja auch ab und zu mit dem Camper unterwegs. Vielleicht könnte das mal ein Ziel sein, was wir da ansteuern. Auf jeden Fall dieses Jahr.

Doreen Scheffler

Unbedingt.

Andrea Gerhard

Ich werde mir da noch mal direkte Tipps abholen. Wir alle benutzen tagtäglich in unserem Job das Wort Nachhaltigkeit. Es gibt keine Definition, keine festgeschriebene, geschützten Begriff dafür. Was verstehst du denn ganz persönlich unter diesem Begriff Nachhaltigkeit?

Doreen Scheffler

Da verweise ich ganz gerne auf eine meiner Forscherkolleginnen. Das ist Frau Professor Meyer an der Leibniz Universität in Hannover, und die hat mir mit einer Abbildung wirklich den Blick geweitet, was Nachhaltigkeit bedeuten kann hinsichtlich kommunaler Entwicklung. Und zwar hat sie, sie ist Geografin und entwirft Schulbücher für Geografie, und sie hat für die Schülerinnen und Schüler eine Abbildung der Dimension und Ziele nachhaltiger Entwicklung entworfen und zeigt ganz gut auf, wo überall Nachhaltigkeit zu finden ist. Also quasi überall in Kultur, in Politik, im sozialen Bereich, in der Ökologie, in der Ökonomie und auch mit der menschlichen Perspektive verwoben. Und man sieht ganz deutlich anhand dieser Abbildung, dass man diese Ziele gleichzeitig und gleichberechtigt verfolgen muss oder sollte, um tatsächlich die Zukunft von Gesellschaften sicherzustellen. Das habe ich natürlich dann auch mit ins Landratsamt gebracht und bin seitdem daran mit der SKEW gemeinsam nachhaltige Entwicklung hier zu prägen, nicht nur mit der SKEW. Also wir haben ein wirkliches Geflecht von unterschiedlichen Initiativen und Konzepten, die ineinandergreifen und ich bin sehr, sehr froh, dass das von allen Trägern unterstützt wird, dass das uns gelingt, alle Dinge miteinander ganz eng zu verzahnt. Und Nachhaltigkeit als handlungsleitendes Ziel zu implementieren, dem sich alles andere unterordnet.

Andrea Gerhard

Wir möchten ja heute darüber sprechen, wie ihr im Landkreis strategisch an das Thema nachhaltige Entwicklung rangeht. Als Basis dafür dienen euch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten Sustainable Development Goals, kurz auch SDGs genannt, den Begriff kennen vielleicht auch alle. Ich dachte mir, ich orte das noch mal einmal kurz ein für alle, die zuhören, damit wir alle sozusagen gleich abgeholt sind. Die SDGs wurden 2015 von der UN verabschiedet und sind eine Art Leitlinie für eine nachhaltige Entwicklung weltweit und geben uns mit den 17 Zielen verschiedene Bereiche vor, die für ein gutes Leben von Menschen weltweit wichtig sind, zum Beispiel Klimaschutz, Bekämpfung von Armut oder Hunger, Gleichberechtigung oder nachhaltiger und fairer Konsum. Um die Ziele zu erreichen, müssen alle Länder gemeinsam an dieser Entwicklung arbeiten, also auch wir hier in Deutschland. Diese SDG-Ziele sind ja wahnsinnig groß, ne, also umfangreich, die sind auch sehr divers. Tausende Themen werden da angegriffen. Das wirkt ja auch erstmal vielleicht nach so einem großen Berg oder Wald, wo man vor lauter Bäumen den Wald eben nicht mehr sieht. Wie startet man denn da überhaupt, sich als Kommune an diesen SDGs zu orientieren oder gar eine Strategie aufzustellen? Also wo habt ihr genau angefangen in diesem Prozess?

Doreen Scheffler

Mit Wissensvermittlung. Also in unserem Auftakt Workshop haben wir die SDGs erstmal vorgestellt, überhaupt das System der SDGs vorgestellt und haben den Mitarbeitern die Sicherheit gegeben, dass sie innerhalb dieser SDGs schon arbeiten, ohne es zu wissen, weil Nachhaltigkeitsbewusstsein fehlt, weil Bildung für nachhaltige Entwicklung fehlt, und das haben wir versucht in vier Workshops, die thematisch sich unterschiedlichen Fachbereichen und der Arbeit in den Fachbereichen gewidmet haben, aufzubereiten. Und dann haben wir innerhalb dieser Workshops ganz viel Zeit auch für Austausch und für Fragen und für Rückkopplung gelassen. Und das kam auch. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben richtig gut mitgezogen, wirklich, und haben gefragt, haben gefragt, haben Lösungen schon in petto gehabt für Themen, die dort angesprochen waren, und ach, dann kann ich das doch aber so und so machen, so... Stichwort nachhaltige Beschaffung zum Beispiel, das war früher nie ein Thema, da hat niemand drüber nachgedacht und das dort zeigt sich eigentlich aus meiner Sicht, dass diese Anbindung an globales Geschehen den Blick dafür öffnet, warum das wichtig ist. Und diese Frage, Warum ist das denn wichtig? Was nützt das mir? Das war eine gute Motivation aus meiner Sicht für die Kolleginnen und Kollegen, weil die gemerkt haben, dass sie eigentlich nur noch so ein bisschen Orientierung brauchten und schon sehr, sehr gut in den Themen gearbeitet haben. Und dann haben wir das Ganze in einer Excel Tabelle aufbereitet nach diesen Workshops. Und haben alles das, was in den Workshops verstanden worden ist, zurückgegeben in die Fachbereiche und noch mal um Ergänzung gebeten. Und dort wurde das erste Mal wirklich visualisiert: Ach, wenn ich Frauen in die Politik als Workshopreihe betreibe, dann sorge ich auch für Geschlechtergerechtigkeit. Ist ja n Ding, so, und diese Kopplung zwischen den Zielen und dem, was wir tun, das war glaub ich fürs Verständnis entscheidend. Dann sind wir mit den Ergebnissen in unser politisches Gremium, haben die Ergebnisse vorgestellt. Da war die Rückkopplung aus den politischen Gremien zum einen Zustimmung und zum anderen aus bestimmten politischen Richtungen sehr, sehr großes Unverständnis. Die haben weder das Ansinnen verstanden, warum sollte man das jetzt machen? Wofür braucht man das? Noch haben die mit unserer Art, diesen Bericht darzustellen, irgendwie leben können. Die haben dann sich so Sachen rausgepickt, Wolf zum Beispiel, war ein Thema: Wieso muss denn der Wolf erhalten bleiben? Und dann hatten wir eine Wolfsdiskussion.

Andrea Gerhard

OK, Mhm. In den Gremien eher ein sehr polarisierendes Thema.

Doreen Scheffler

Genau. Genau. Und also das waren Ausschuss Diskussionen. Dann in der großen Sitzung des Kreistages, war das dann, sind alle d’accord gegangen und haben auch die Zustimmung erteilt, dass wir uns mit der Strategieentwicklung weiter beschäftigen dürfen. Aber ich glaube, das ist ein deutliches Bild dafür, wie das in der Bevölkerung aussieht. Bei einem Teil gibt es, sag ich jetzt mal, ein gutes Bauchgefühl, dass man hier das Richtige tut, und bei einem Teil, der das Wissen nicht hat, ist erstmal Unverständnis da. Das ist glaub ich ein weites Feld.

Andrea Gerhard

Wir sprechen ja hier im Podcast insbesondere auch über die entwicklungspolitische Perspektive, also die weltweiten Auswirkungen unseres Handelns und eine global gedachte, nachhaltige Entwicklung. Kam dieser Aspekt in der Bestandsaufnahme auch schon bei euch vor?

Doreen Scheffler

Mhm. Genau, und da gab es tatsächlich auf dem Gebiet der Kommune schon erste Initiativen. Es gibt hier in Köthen eine Schule, die freie Schule Köthen, die seit 2017 eine Partnerschaft mit einer Schule in Tansania aufgebaut hat. Und die besuchen sich gegenseitig, seitdem wir am Nachhaltigkeitsthema arbeiten, werden wir dort auch ganz herzlich empfangen und eingeladen, wenn die zu Gast sind. Wenn man sich die Lage in Tansania anschaut, ist es so, dass die Schule kein fließendes Wasser hat, dass dort keine Energie da ist. Und durch diesen gegenseitigen Austausch wird diese Unterschiedlichkeit sehr, sehr bewusst. Und es wird auch sehr, sehr bewusst, dass man etwas tun muss und dass man gucken muss, wie man solche Partnerschaften gemeinsam entwickeln. Und wir haben da Lust drauf und sind eingeladen, uns zu beteiligen als Landkreis, und da sind wir gerade im Austausch, wie das gut gelingen kann mit welchen Maßnahmen.

Andrea Gerhard

Das natürlich toll. Toll, dass da eine Schule schon auch so seit 2017 den Weg geht und das passt auch sehr gut, finde ich zu deinen Eingangsworten, die du gewählt hast. Dass das dann auch du irgendwann verstanden hast oder auch ihr als Landkreis irgendwann verstanden habt, das gehört halt alles zusammen. Selbst in einem fernen Land wie Tansania, das ich übrigens selber auch schon mal besucht habe 2010 und die Situation auch selber sehr, sehr gut kenne. Vielleicht noch mal für uns alle kurz und knapp zusammengefasst: Waren dann konkret so die Ergebnisse eurer SDG-Bestandsaufnahme? Vielleicht kannst du das uns noch mal so einmal aufmerken.

Doreen Scheffler

Genau das kann ich. Also es gab SDGS, wo wir überhaupt nicht vorbildhaft waren, wo wirklich nur so ganz Mini-Dinge bis jetzt laufen, das waren die globalen Partnerschaften. Deswegen sind wir da auch wirklich daran interessiert, besser zu werden und voneinander lernen zu können. Dann hatten wir das SDG kein Hunger, das hat mich ein bisschen überrascht, weil wir sehr viel Landwirtschaft haben in einem Teil unseres Landkreises, dass wir da als Landkreis so wenig Andockungspunkte haben und es kamen aber Sachen, wo wir wirklich viel schon tun, also menschenwürdige Arbeit, das ist auf jeden Fall eines unserer goldenen Punkte. Und Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen, das war der weitere Punkt, wo wir deutlich nach oben ausgeschlagen haben.

Andrea Gerhard

Es ist ja dann auch ganz gut, dass einmal schwarz auf weiß zu haben und zu sehen, um eine Reflektion zu machen, um dann auch vielleicht ins Handeln zu kommen. Du hast es eben schon mal angesprochen: Basierend auf eurer Bestandsaufnahme, habt ihr dann auch begonnen, an einer Nachhaltigkeitsstrategie für den Landkreis zu arbeiten, für die ihr gerade mitten im Prozess steckt. Das stell ich mir jetzt persönlich extrem umfangreich vor. Man hat da auch schon die ein oder andere Idee bekommen von deinen Ausführungen, wie umfangreich das ist. Wie geht man denn so einen Prozess an? Wie macht ihr das? Gibt es vielleicht Schwerpunktthemen, die ihr euch gesetzt habt für diese Nachhaltigkeitsstrategie? Wie dröselt man sich das dann auf?

Doreen Scheffler

Mhm, haben wir tatsächlich. Also wir haben im Vorfeld überlegt, was ist uns wichtig und wie können wir das gut umsetzen. Es gab auch wieder eine unterschiedliche Anzahl von Workshops. Eines der Themen, wo wir denken, dass wir gut wachsen können, waren die Themen Mobilität und faire Beschaffung. Dann das Thema Partnerschaften. Geschlechtergerechtigkeit war eines der Themen, und wir haben uns mit der Landkreisverwaltung und dem Aufbau und dem Miteinander, also der Zusammenarbeit, sehr, sehr stark beschäftigt. Und ich habe ja schon erzählt, dass wir direkt für die Nachhaltigkeitsstrategie das Strategieteam gegründet haben. Das heißt, das war erstmalig so, dass unterschiedliche Kollegen aus unterschiedlichen Dezernaten und Fachbereichen und unterschiedlichen Hierarchiestufen gemeinsam an einem Thema gearbeitet haben und in Runde 1 war das noch so ein bisschen fremdelnd, aber ab Runde 2 kannten sich die Menschen, die Menschen mochten sich. Man hat gesehen, dass was es bewirkt, wenn sehr viele Menschen in einem Raum sind, denen ein Perspektivwechsel möglich ist. Also die Art und Weise des Umgangs miteinander hat mich auch wirklich beeindruckt.

Andrea Gerhard

Und heißt das, dazu kurz die Nachfrage von mir, dass sozusagen diese verschiedenen Kolleginnen und Kollegen auch aus verschiedenen Ämtern einbezogen wurden?

Doreen Scheffler

Genau. Verschiedene Ämter und verschiedene Dezernate. Es gibt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld vier Dezernate, die zu unterschiedlichen Themen arbeiten. Und wir haben die alle zusammengebracht, also dezernatsübergreifend waren mit Arbeiterinnen und Mitarbeiter dort bei diesen Strategie Workshops konnten sich äußern, konnten miteinander streiten. Und ich habe das als fruchtbar, vertrauensbildend, beziehungsorientiert erebt und war sehr froh über diese neue Form von Zusammenarbeit, die man nicht in einer Behörde per se suchen würde. Aber ich glaube, dass, wenn wir alle das gleiche Ziel haben, wir alle auch eine Orientierung haben und dass es dann viel, viel leichter ist, sich zu vertrauen, sich aneinander zu orientieren und sich auch mal zu fragen oder sich Feedback zu geben. Ich denke, das kann ein Weg sein, wie wir mit Herausforderungen umgehen.

Andrea Gerhard

Was ich auch vielleicht noch unterstreichen möchte, an der Stelle ist, dass es auch manchmal schön ist, dann gemeinsam auch schon Erreichtes zu feiern. Also es muss jetzt keine große Party sein, aber auch ab und zu da vielleicht eine interne Bestandsaufnahme zu machen und zu sagen, schaut mal was wir jetzt schon gemacht haben und wir sind erst im Prozess sozusagen, der Findung der Strategien. Das darf man, finde ich, auch immer nicht so richtig aus dem Auge verlieren. Auch schon das Erreichte zu feiern, um die Menschen eventuell noch n bisschen mehr zu motivieren, auch die beteiligt sind.

Doreen Scheffler

Da gebe ich dir vollkommen recht. Das ist etwas, was meines Erachtens nach oft im Alltag untergeht und was man gezielt aber einbauen muss und sich selber vor Augen halten muss. An welchem Punkt bin ich eigentlich? Als wir diesen Weltlinienprozess begonnen haben, haben wir genauso angefangen und haben Ergebnisse einer Mitarbeiterumfrage aus 2017 und die empfohlenen Maßnahmen genommen und haben geguckt, was es denn schon erfüllt. Was ist noch relevant und drin dringend und was steht auf der Agenda, hat aber noch Zeit? Und dieser Leitlinienprozess ging jetzt über zwei Jahre und morgen habe ich mit der Fachbereichsleiter Ebene einen Workshop und da werde ich eben diese Tafel, da habe ich ein Fotoprotokoll von, wieder rangehen und wieder sortieren lassen, was wir denn jetzt in den letzten zwei Jahren erreicht haben. Und ich sehe schon mit einem Blick, dass wir weitergekommen sind und ich glaube, das ist ganz wichtig, weil man so sehr mit seinen operativen Tagesgeschäft beschäftigt ist, dass es auch einfach oft nicht möglich ist, sich das vor Augen zu halten.

Andrea Gerhard

Zusätzlich arbeitet ja auch der Kreis an einem integrierten Kreisentwicklungskonzept, in das die Nachhaltigkeitsstrategie integriert werden soll. Wie genau sind denn diese beiden Prozesse miteinander verknüpft?

Doreen Scheffler

Wir arbeiten seit 2024 an Kreisentwicklungskonzept und wie bei jedem Konzept beginnt man mit einer Analysephase und schon in dieser sehr frühen Phase haben wir alle, die uns wissenschaftlich begleiten, bei dem Thema zueinander gebracht, um einfach klarzulegen, dass uns hier die Nachhaltigkeit als Leitziel extrem wichtig ist und dass wir gerne wollen, dass Nachhaltigkeit handlungsleitend für unsere Entwicklungskonzepte wird. Das betrifft nicht nur das Kreisentwicklungskonzept, sondern auch das Klimaschutzkonzept und das Nachhaltigkeitsmanagement, was wir gerade mit dem Fachbereich Umwelt erarbeiten. Nachhaltigkeit führt und als Prinzip des Handelns und dem ordnet sich alles unter, beziehungsweise so ordnete sich ein. Wir planen aufgrund dieser zeitlichen Komponenten, es passiert ja gerade alles gleichzeitig bei uns im Landkreis, planen wir das wirklich sehr, sehr eng miteinander zu verzahnen und wir glauben, dass das richtig ist, weil wir keine Konzepte für die Schublade wollen, sondern wir wollen das umsetzungsorientiert gearbeitet wird.

Andrea Gerhard

Möchtest du noch irgendwas anderen Kommunen mit auf den Weg geben, die sich vielleicht auch an eine Nachhaltigkeitsstrategie wagen wollen? Was wäre so dein wichtigster Tipp?

Doreen Scheffler

Mein wichtigster Tipp ist, dass man gute Ideen haben kann, wie man will, dass man die Menschen dazu braucht. Ich finde wichtig, Menschen aus Politik, aus Verwaltung und aus der Zivilgesellschaft miteinander immer zu verbinden. Und ich habe eins noch gelernt: Gebt Kultur dazu. Weil der Maler, der denkt mit seinem Pinsel der Skulptur denkt mit seinen Händen und Nachhaltigkeit muss man fühlen, muss man fühlen können, und ich halte diese kulturelle Komponente, die uns ins Fühlen bringt, für wichtig, den Kopf mit dem Bauch zu verbinden.

Andrea Gerhard

Ich sag an dieser Stelle vielen Dank, liebe Doreen, für die ganzen exklusiven Einblicke auf eurem Weg. Das ist ja was ganz Besonderes, wenn man auf den Weg schon mal miteinander spricht. Schön, dass du heute bei uns warst.

Doreen Scheffler

Danke Andrea. Ich habe mich sehr gefreut. Es waren spannende Minuten mit dir.

Andrea Gerhard

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, und damit sind wir schon am Ende unserer heutigen Episode angekommen. Und wenn ihr jetzt auch das Thema Nachhaltigkeit und globale Verantwortung in eurer Kommune ganz strategisch angehen möchtet und dafür Unterstützung oder weitere Infos sucht, dann verweise ich an dieser Stelle wie immer auf unsere Shownotes. Dort findet ihr nicht nur weitere Infos zur Nachhaltigkeitsarbeit des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, sondern auch zur Seite der SKEW der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt. Die SKEW berät, fördert und unterstützt Kommunen im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums dabei, sich für eine weltweite, nachhaltigere Entwicklung einzusetzen, zum Beispiel eben bei der SDG-Bestandsaufnahme oder der Arbeit an einer Nachhaltigkeitsstrategie wie im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Also, schaut gerne rein und zögert nicht, euch bei der SKEW zu melden. Jetzt verabschiede ich mich von euch und sage bis zum nächsten Mal bei Kommune bewegt Welt. Empfiehlt uns gerne weiter, abonniert den Podcast, um keine Folge zu verpassen und oder bewertet uns sehr gerne. Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit und sage Tschüss bis zum nächsten Mal - eure Andrea. Der Podcast Kommune bewegt Welt wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global und im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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