Fair gehandelter Kaffee für stärkere Frauenrechte in Ruanda: Stadt Speyer
Shownotes
Strukturelle Benachteiligung von Frauen ist ein globales Problem – in Deutschland sowie im Globalen Süden. In vielen Ländern leisten Frauen einen Großteil der Arbeit, besitzen aber weniger Rechte und Land oder haben eingeschränkten Zugang zu Bildung oder finanzieller Unterstützung. Dies schadet nicht nur dem gesellschaftlichen Miteinander, sondern auch der wirtschaftlichen Entwicklung. Wie können sich Kommunen für weltweite Frauenrechte stark machen? Irmgard Münch-Weinmann, Dezernentin für Sicherheit, Ordnung, Umwelt, Klimaschutz, Verkehr der Stadt Speyer stellt uns den INSHUTI-Kaffee vor, bei dem es nicht nur um fair gehandelte Bohnen geht, sondern explizit um die Stärkung der Rechte jener Frauen, die an der Herstellung des Kaffees beteiligt sind.
Im Podcast sprechen wir darüber … wie Speyer die Themen Geschlechtergerechtigkeit und fairer Handel verknüpft, … und warum Geschlechtergerechtigkeit in der Entwicklungspolitik konsequent mitgedacht werden sollte.
Mehr Infos zum INSHUTI-Projekt: https://www.speyer.de/de/familie-und-soziales/ehrenamt/speyer-fairwandeln/inshuti-partnerschaftskaffee-speyer-ruanda/
Die SKEW unterstützt Kommunen, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen wollen. Informationen zu Unterstützungsprogrammen im fairen Handel finden sich hier: https://skew.engagement-global.de/fairer-handel-und-faire-beschaffung.html
Und weitere Infos zu finanzieller Förderung von Partnerschaftsprojekten findet Ihr auf dieser Seite: https://skew.engagement-global.de/kommunale-foerderung.html
Der Podcast „Kommune bewegt Welt“ wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
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Kommune bewegt Welt - der Podcast der SKEW
Andrea Gerhard
Ich sage herzlich Willkommen zu einer neuen Episode von Kommune bewegt Welt. Mein Name ist Andrea Gerhard und ich freue mich ganz besonders darauf, in diesem Podcast mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich mit ihrer Kommune für eine nachhaltigere und gerechte Welt engagieren. Wir wollen heute am Beispiel des fairen Handels die Themen Geschlechtergerechtigkeit und insbesondere Stärkung von Frauenrechten in der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit darstellen und euch damit zeigen, dass diese Punkte eben auch Themen sind, mit denen sich die kommunale EZ beschäftigen kann und auch soll. Speyer engagiert sich im Bereich Fairer Handel und hat hier eine Kooperation, beziehungsweise ein Projekt, mit Ruanda. Es geht dabei um fairen Kaffee und insbesondere auch darum, Frauenrechte eben zu stärken. Wie das zusammenhängt, das erfahren wir heute in dieser Folge. Erstmal aber zu Speyer: In Speyer in Rheinland-Pfalz leben rund 51.000 Menschen und zu den Highlights, die man nicht verpassen darf, zählen meiner Meinung nach der Dom, auch UNESCO Weltkulturerbe, und das Technikmuseum. Und damit sage ich jetzt herzlich Willkommen zu unserem heutigen Gast, Irmgard Münch-Weinmann, Dezernentin für, jetzt kommt’s, Sicherheit, Ordnung, Bürgerdienste, Umwelt, Klimaschutz. Nachhaltigkeit der Straßenverkehrsbehörde und Entsorgungsbetriebe Speyer, kurz EBS, und sie engagiert sich eben auch für die Themen Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit in der Stadt. Herzlich Willkommen Irmgard, beziehungsweise Irmel, das ist dein Kurzname, wie du mir eben schon gesagt hast. Schön, dass du heute da bist.
Irmgard Münch-Weinmann
Hallo, grüß dich liebe Andrea. Ich find es ja toll, dass ihr so einen Podcast macht zum Thema Geschlechtergerechtigkeit, das passt zu uns für Speyer.
Andrea Gerhard
Ja, deswegen bist du ja auch eben heute unser Gast für viele andere Menschen, die sich bei euch engagieren. Stell dich doch einmal kurz vor. Wer bist du und was machst du?
Irmgard Münch-Weinmann
Also mein Name ist Irmgard Münch-Weinmann. Ich war früher im Sozialdienst in der Justiz hauptberuflich, habe jetzt ein politisches Amt und das Thema Geschlechtergerechtigkeit begleitet mich schon viele Jahrzehnte. Man könnte eigentlich sagen, ich komme aus einer Großfamilie, habe 2 ältere Brüder und habe das schon als Kind, als Jugendliche, Erfahrung gemacht, wie unterschiedlich doch mit den Geschlechtern umgegangen wird, dass Mädchen und Jungs doch eine unterschiedliche Rolle haben, nicht nur im Elternhaus, in der Schule, in der Freizeit und auch später im beruflichen Leben. Von daher ist für mich das Thema sehr wichtig. Auch, die jungen Frauen mitzunehmen und Bewusstsein für dieses Thema der Geschlechtergerechtigkeit zu entwickeln, zu sensibilisieren, weil mein Eindruck ist, dass auch immer wieder Rückschritte gemacht werden. Deshalb ist es gut und wichtig, dass wir nicht nur Speyer, Rheinland-Pfalz, Deutschland im Blick haben, sondern auch noch darüber hinausgehen, in die weite Welt, und gucken, wie es dort mit der Geschlechtergerechtigkeit aussieht.
Andrea Gerhard
Total spannend. Und ich kann tatsächlich auch ein bisschen das nachvollziehen, was du gesagt hast zum Thema Unterschiede der Gerechtigkeit, was die Geschlechter angeht. Hier bei uns auch ganz konkret in der Familie oder auch darüber hinaus in der Schule oder dann später im Job, habe ich auch schon mal Erfahrung gemacht, keine Frage. Heute wollen wir ja vor allem eins der 17 Ziele der UN, ganz besonders in den Fokus rücken, nämlich das fünfte Ziel der SDGs, nämlich Gender Equality, also Geschlechtergerechtigkeit oder Geschlechtergleichstellung erreichen, und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen. Und wie schon vorhin angerissen, soll es eben über dieses Thema heute hier gehen und die Stärkung von Frauenrechte. Denn auch in Ländern des sogenannten Globalen Südens sind Frauen viel zu oft strukturell benachteiligt, besitzen oft kein Land, haben keinen Zugang zu Krediten oder technischer Unterstützung. Und da auch keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Bildungseinrichtungen. Aber Frauen leisten oftmals einen großen Teil der Arbeit, besitzen aber sehr, sehr wenig Rechte zum Schaden der Gemeinschaft und der wirtschaftlichen Entwicklung vieler Länder. Und um die strukturelle Ungleichheit und Diskriminierung von Frauen und Mädchen langfristig zu beseitigen, hat die Bundesregierung 2021 eine Strategie für feministische Entwicklungspolitik entwickelt. Diese sieht unter anderem vor, dass ein Großteil der Projekte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit Maßnahmen beinhalten müssen, welche Geschlechtergerechtigkeit vorantreiben. Ihr habt ja ein Projekt, und darüber wollen wir jetzt mal im Einstieg reden, wie man in der Praxis als deutsche Kommune zu Geschlechtergerechtigkeit im Globalen Süden beitragen kann, gucken wir uns heute anhand des Inshuti Projekts von euch von Speyer an. Berichte uns doch ganz kurz mal, was ist das für ein Projekt und wie seid ihr überhaupt auf diese tolle Idee gekommen?
Irmgard Münch-Weinmann
Also dazu muss ich als Einstieg sagen, hier in Speyer haben wir das Thema Geschlechtergerechtigkeit auf unserer Agenda, sage ich mal. Wir sind im Stadtvorstand drei Frauen, das ist ungewöhnlich für eine Kommune, und wir haben toll engagierte Frauen, die sich da auch in dem Projekt des Partnerschafts Café Speyer Ruanda beteiligt haben. Und dann haben wir noch eine engagierte Gleichstellungsbeauftragte, die auch uns immer wieder so einen Impuls gibt. Und durch so eine Zusammenarbeit, die Stadt Speyer ist ja auch eine Fair Trade Stadt seit vielen Jahren, und die Stadt Speyer, wie du vorhin ja gesagt hast, gehört zu Rheinland-Pfalz und in Rheinland-Pfalz hat unser Bundesland eine Partnerschaft mit dem Land Ruanda. Und da hat sich das so einfach irgendwie ergeben im Jahr 2019, also das ist schon einige Jahre her, ist die Idee geboren. Und aus dieser Idee hat sich dann manches entwickelt, und so ist dieser Kaffee Inshuti, der ja auch Freundschaft heißt, Stück für Stück entstanden. In manchen Dingen ist Ruanda auch ein Stück weiterentwickelt als wir. Das Land Ruanda hat zum Beispiel kein Plastik mehr, haben ein Plastikverbot landesweit geschaffen. Das können wir in Deutschland, in Rheinland-Pfalz, in Speyer uns zum Vorbild nehmen. Das ist so das Schöne, dass wir in dem Kontakt mit Ruanda gemerkt haben, dass wir nicht so diejenigen sind, die alles besser wissen, sondern dass wir auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Das war das Schöne und da ist dann der Kontakt zu der Kooperative Copacama entstanden. Das sind eine Frauenkooperative,die die Kaffeebohnen bearbeitet, beziehungsweise wachsen lässt, bearbeitet, und wir dann die Idee hatten, das wäre doch toll da ein Partnerschaftscafé... Kaffee ist eine Emotion, wenn der Kaffee gut schmeckt, sitzt man gemütlich zusammen, kann sich auch gut austauschen. Im Jahr 2022 ist dieser Kaffee dann im Rahmen der fairen Woche auch hier in Speyer eingeführt worden. Der Kaffee, du hast ja schon gesagt, der ist fair gehandelt, der ist aber auch Bio zertifiziert und wird auch klimaneutral gehandelt. Das, denke ich, ist auch noch mal wichtig. Und dadurch, dass wir da eine Frauenkooperative haben, werden Frauen in die Wirtschaft aktiv eingebunden, können selbstständig leben, verfügen über eigenes Einkommen, das Unabhängigkeiten geschaffen werden und die Frauen für sich autark entscheiden können, wie sie leben möchten. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Prozess, den wir in Deutschland durchgemacht haben. Und auch, und da merkt man immer wieder, so in der Begegnung miteinander, dass da gleiche Interessen da sind und eine Begeisterung füreinander auch da ist.
Andrea Gerhard
Jetzt ist es ja so, dass Kaffee aus fairem Handel auf kommunaler Ebene zu vermarkten, dazu gibt es ja glücklicherweise schon einige Beispiele in Deutschland, wo das wirklich erfolgreich und toll umgesetzt und gemacht wird. Wieso war es denn bei euch so wichtig, tatsächlich ein Augenmerk auf die Rolle der Frauen in dem Projekt zu werfen?
Irmgard Münch-Weinmann
Also ich denke, es war einfach so, dass wir alle Beteiligte sehr geschlechterbewusst Denken und handeln, und so für uns auch die Erfahrung gemacht haben, Frauen zu stärken, tut gut, einmal uns selbst hier vor Ort gegenseitig zu stärken und Ruanda, die dieses Land, wo wir gehört haben, auch dass Ruanda Interesse an Frauen stärken hat, das hat sich so ergeben durch die Kontakte des Bundeslandes Ruanda. Wir haben dann die Erfahrung, beziehungsweise die Info, bekommen, hier gibt es eine Frauenkooperative, und das war für uns einfach so toll. Hey, hier nehmen wir Kontakt auf und hören einmal, was möglich ist. Und diese Frauenkooperative, die pflanzt ja diese Kaffeebohnen an und pflückt diese Kaffeebohnen. Der Prozess ist damit ja noch gar nicht abgeschlossen. Also so ein Partnerschaftskaffee einzuführen ist viel, viel komplexer als Außenstehende vermuten. Und natürlich geht es dann auch noch um die Vermarktung. Und da hatte einer der Kolleginnen die Idee, wir binden eine Schule mit ein. Und in unserer Stadt Speyer gibt zwei reine Mädchenschulen, die auch so an dem Thema Geschlechtergerechtigkeit sehr nah dran sind. Die wurden dann gefragt, ob sie für den Kaffee dann das Etikett gestalten möchten.
Andrea Gerhard
Das heißt, Empowerment fand auch dann direkt für Frauen und Mädchen sozusagen in Speyer statt, in der Schule?
Irmgard Münch-Weinmann
Genau, in der Schule. Dieses Empowerment hat sich auch wiederum auf uns übertragen. Also das war einfach so ein gegenseitiges Anstecken, sag ich mal, eine enorme Begeisterung, die aufgekommen ist. Und dann ging es auch drum zu gucken, eine Rösterei zu finden. Dann haben wir tatsächlich vor Ort eine Rösterei gefunden und da sind wir einfach total happy, dass das möglich war. Verwandeln, Wirtschaft und ja, dieses Vermarkten mit der Mädchenschule, also so alles in allem abgerundet.
Andrea Gerhard
Lasst uns doch gerne noch mal bei den Frauen in Ruanda an der Stelle bleiben. Nämlich mich würde natürlich noch interessieren, ganz konkret, durch welche Maßnahmen diese Frauen eben in dem Projekt, in dem Inshuti Projekt, explizit unterstützt werden.
Irmgard Münch-Weinmann
Also die Frauen arbeiten ja in der Kooperative und das, was die Frauen arbeiten, leisten, das kommt ihrem Einkommen auch zugute. Also die arbeiten nicht für eine große Firma, sondern es ist eine kleine Kooperative, wo der Arbeitseinsatz, den die Frauen leisten, dann auch entsprechend vergütet wird. Es sind 45 Frauen, die da mit drin sind, die sind da Mitglied. Und es werden auch Weiterbildungen angeboten. Und die leben auch in Siedlungen, also es sind Bäuerinnen, die sind selbst Mitglied. Das ist noch mal wichtig zur Ergänzung zu bringen.
Andrea Gerhard
Gibt es denn jetzt weitere Pläne für das Projekt in der Zukunft? Was habt ihr vor? Kommen da noch mehr Projekte? Kommen da noch mehr Kaffeesorten? Kommen da noch andere Produkte, andere Röstaromen? Was ist so euer Plan? Wie geht es weiter mit Inshuti?
Irmgard Münch-Weinmann
Wir werden auch den persönlichen Kontakt zu der Kooperative Copacama herstellen. Also wir werden die Frauen live persönlich kennenlernen, also das ist für mich eine ganz faszinierende Vorstellung, find ich toll und ich glaube über den persönlichen Kontakt wird es auch noch mal weitergehen in den Alltag so von Frau zu Frau, von Land zu Land zu gucken. Was können wir von euch lernen? Was wollt ihr von uns angucken? Unsere gemeinsamen Ideen, wie können wir uns insgesamt noch nachhaltiger aufstellen, im Interesse unserer Kinder und Enkelkinder auch?
Andrea Gerhard
Wie toll. Also es ist natürlich eine Reise dann auch mit den Menschen, mit denen man die ganze Zeit schon zu tun hat, dann sich persönlich gegenüberzutreten, ist ja dann doch immer was anderes.
Irmgard Münch-Weinmann
Also Speyer ist ja auch eine Stadt der interkulturellen, der verschiedenen Kulturen, und wir möchten uns da einfach weiter öffnen. Ich glaub uns geht es darum ein Gesicht zu zeigen, dass uns und unsere Kommune, unsere kleine oder unsere Mittelstadt, sehr vielfältig aufgestellt ist und es gegenseitig auch Berührungspunkte gibt, und wir nur miteinander leben können und dann sind die Unterschiede gar nicht mehr so groß. Und ich sag immer, eigentlich hat spielt es keine Rolle, ob das jetzt Frauen sind, inländische Frauen, ausländische Frauen, jede Frau für sich ist ein Individuum. Die Männer möchte ich nicht ausgeschlossen sehen, das ist mir auch wichtig, aber so, dass wir uns Frauen gegenseitig stärken und in der Zusammenarbeit mit dem Projekt ist es auch gut möglich. Und ich glaube, da gehört noch viel dazu oder so das Thema Gewalt gegenüber Frauen, das ist auch noch mal deutlich geworden, ist, wie wir uns da gegenseitig unterstützend stärken können und die Frauen die Geschlechtergerechtigkeit positiv bewerten, das ist mir wichtig, so die Stärke der Frauen auch mehr in den Vordergrund stellen können.
Andrea Gerhard
Wie toll und inspirierend mit dir sich auszutauschen, liebe Irmel. Danke da für die Einblicke und ich versuche einen kleinen Themenwechsel, denn die Stadt Speyer hat 2023 beim Wettbewerb Hauptstadt des Fairen Handels den SKEW Sonderpreis Geschlechtergerechtigkeit gewonnen. Erstmal Herzlichen Glückwunsch zu eurem Preis. Was habt ihr denn mit den Preisgeldern vor, beziehungsweise was habt ihr denn schon damit gemacht, velleicht?
Irmgard Münch-Weinmann
Ja, zunächst mal. Das war eine enorme tolle Ehrung 2023, so diesen Sonderpreis zu bekommen zu dem Thema Geschlechtergerechtigkeit. Das ist ein Wertpreis von 10.000 Euro, also eine Menge Geld. Und das war doch ein Projekt oder ist ein Projekt, es geht um Sport, es geht auch um Sport, wie Mädchen oder Frauen zu Fußball geführt werden können. Wir haben Fußbälle, fair gehandelte Fußbälle, angeschafft, und haben das auch verschiedenen Frauensportvereinen gegeben, wo es dann einmal darum ging, dem Stadtsportverband, das ist so eine Verbindung von allen Vereinen, deutlich zu machen, faire Produkte, wie wichtig es ist. Und in dem Zusammenhang gab es auch noch mal von der Volkshochschule eine eigene Veranstaltung zu fairen Produkten im Sportbereich.
Andrea Gerhard
Ja um einen kleinen Abschluss hier zu versuchen: Warum ist es für dich jetzt so wichtig, Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte in der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit konsequent mitzudenken?
Irmgard Münch-Weinmann
Also wir haben die unterschiedlichen Geschlechter, wir haben die Männer, die Frauen, und wir haben auch divers. Also das sollte in dem gesamten Kontext auch noch mitgedacht werden. In der Öffentlichkeit stehen die Frauen immer noch ein Stückchen zurück, wenn es um Macht geht, um wichtige Berufe, verantwortungsvolle Leitungen und so weiter. Dann nehme ich in meinem Umfeld seit Jahrzehnten wahr, dass die Frauen sich immer wieder ein Stück zurücknehmen, sich manchmal auch gar nicht trauen, gewisse Dinge zu tun, obwohl sie die Dinge tun könnten. Also das ist so für mich, ich komme auch aus einer Partei heraus, für die die Geschlechtergerechtigkeit, die Frauenpolitik, eine wichtige Rolle spielt. Uns geht es einfach um die Parität. Die Männer sollen nicht zu kurz kommen, aber ich sag immer, die Hälfte der Macht den Frauen. Das sollte man mitdenken und mir ist es auch wichtig. Es geht auch nicht ohne Männer, das finde ich auch noch mal wichtig. Ich würde mich auch freuen, wenn sich mehr Männer für Frauenrechte engagieren würden, um das auch leben würden, weil nur gemeinsam miteinander geht es. Und meine Erfahrung ist, dass sich Frauen immer ein Stück zurücknehmen oder einem anderen Vorrang lassen und ich möchte einfach, dass mein Geschlecht in der Parität vorkommt und die Dinge, die es machen möchte, auch kann. Und einfach diese Gleichberechtigung gegeben ist, gehört für mich ein Stück zur Welt, zum globalen Weltfrieden, auch zusammen. Es gibt uns und wir beide sollen die gleichen Rechte haben und wir sollten unsere Rollen auch öffnen. Das finde ich auch noch mal wichtig, dass wir nicht eine verengte Rollenzuschreibung bekommen. Das gilt für Männer genauso. Die Männer sollen genauso die Möglichkeit haben, mehr ausprobieren zu können, eine erweiterte Rolle zu bekommen. Wir Frauen auch, und dann, glaube ich, geht es uns allen auch ein Stückchen besser.
Andrea Gerhard
Ja, absolut, da stimme ich dir voll und ganz zu. Jetzt natürlich noch vielleicht auch noch eine wichtige und spannende Frage für alle, die uns zuhören: Was würdest du denn kommunal Vertretenden mit auf den Weg geben, die das Thema vielleicht noch nicht direkt angegangen sind, der Geschlechtergerechtigkeit? Warum sollten Sie denn Ihr Engagement eben angehen? Warum lohnt sich das?
Irmgard Münch-Weinmann
Also ich glaube es lohnt sich. Such dir Verbündete, würde ich zunächst sagen, mit Frauen kann Frau gut arbeiten, es macht Spaß, es ist die Frau wert und es stärkt gegenseitig und es macht deutlich: Wir sind hier, wir sind sichtbar und wir können Dinge einfach gut machen. Wir sollten unserer Verantwortung, die wir tragen können, nicht nur im familiären Kreis nachkommen, auch nicht im Pflegebereich, da tun wir ja schon vieles, sondern auch im öffentlichen Leben, das ist mir wichtig. Und diese Rollenverteilung. Packt an, würde ich einfach sagen wollen. Packt an, trinkt eine Tasse Kaffee Inshuti. Setzt euch zusammen, setzt euch auch ein paar Ziele. Ich glaub es ist auch ganz gut, sich so ein paar Impulse zu setzen oder so zu überlegen, bis wann möcht ich was erreicht haben, und zu gucken welche Frau kann was gut machen, gucken welche eigene Stärken bringe ich mit und welche Frauen haben andere Stärken, um gemeinsam Projekt anzugehen in den ganz unterschiedlichen Bereichen?
Andrea Gerhard
Wie toll. Also das war unser heutiger Gast Irmgard Münch-Weinmann aus Speyer. Ganz tolle Reise wünsche ich euch und vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, heute hier mit uns zu sprechen, Irmel.
Irmgard Münch-Weinmann
Ich bedanke mich auch.
Andrea Gerhard
Wirklich ein inspirierendes und tolles Gespräch. Das war unsere Kommune bewegt Welt Folge zum Thema Gleichberechtigung und feministische Entwicklungszusammenarbeit. Und an dieser Stelle möchte ich natürlich am Ende wie immer auf unsere Shownotes verweisen. Dort findet ihr nicht nur weitere Infos zu den Projekten der Stadt Speyer, sondern auch alle Links zu den Angeboten der SKEW, der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt. Und die SKEW unterstützt Kommunen in ganz Deutschland dabei, sich für globale Nachhaltigkeit und für eine gerechtere Welt vor Ort und im Globalen Süden einzusetzen. Die SKEW hat außerdem Angebote zur finanziellen Förderung für eure entwicklungspolitische Arbeit zusammen mit Kommunen im Globalen Süden, zum Beispiel zum Thema Fairer Handel oder Geschlechtergerechtigkeit. Also schaut gern mal in den Shownotes vorbei, lasst euch für eure Projekte inspirieren und meldet euch gerne. Die Mailadresse haben wir euch alles hinterlegt und jetzt verabschiede ich mich und bedanke mich ganz herzlich fürs Zuhören bis zum nächsten Mal und denkt daran, unseren Podcast zu abonnieren, zu bewerten und gerne auch weiterzuempfehlen. Tschüss, das war's für heute - eure Andrea. Der Podcast Kommune bewegt Welt wird produziert von der Servicestelle Kommunen. In der einen Welt von Engagement Global und im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
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