Wie Kommunen globale Verantwortung übernehmen: Stadt Bonn

Shownotes

Geldknappheit, fehlendes Personal und eine lange Liste wichtiger Aufgaben für die Daseinvorsorge: Kommunen sind mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Schnell kommt dann die Frage auf, ob es auch noch Aufgabe von Städten, Gemeinden und Landkreisen sein kann, sich mit globaler Verantwortung auseinanderzusetzen – etwa, indem sie nachhaltige und faire Produkte kaufen, Projekte mit Kommunen im Globalen Süden umsetzen oder sich Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeitsstrategien annehmen.

Katja Dörner, Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, findet im Gespräch mit Moderatorin Andra Gerhard klare und spannende Antworten auf diese Frage. In der Folge hört Ihr…

…warum auch Kommunen sich mit den globalen Folgen ihres Handelns auseinandersetzen sollten, …mit welchen vielseitigen Maßnahmen die Stadt Bonn Verantwortung für eine nachhaltige und gerechte weltweite Entwicklung übernimmt, …und welche Projekte Bonn gemeinsam mit den Partnerstädten im Globalen Süden umsetzt – und was die Stadt dabei zum Thema Zukunftsorientierung gelernt hat.

Weitere Infos zur Entwicklungspolitik Bonns und zu den Nachhaltigkeitsaktivitäten der Stadt findet Ihr hier: https://www.bonn.de/themen-entdecken/uno-internationales/nachhaltiges-bonn.php

Auch Eure Kommune will Verantwortung für nachhaltige Entwicklung übernehmen? Zögert nicht, Euch bei uns zu melden! Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) unterstützt Kommunen bei ihrem entwicklungspolitischen Engagement. Informationen zu unserem Angebot sowie Kontaktdaten finden sich auf unserer Website: https://skew.engagement-global.de/

Der Podcast „Kommune bewegt Welt“ wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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Transkript Folge Bonn

Kommune bewegt Welt - der Podcast der SKEW

Andrea Gerhard

Ich begrüße alle Zuhörerinnen und Zuhörer zu einer neuen Episode von Kommune bewegt Welt. Mein Name ist Andrea Gerhard und ich freue mich ganz besonders darauf, in diesem Podcast mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich mit ihrer Kommune für eine nachhaltigere und gerechtere Welt engagieren. Klimaschutz, faire Lieferketten oder internationale Zusammenarbeit: Kommunen gehen hier ganz unterschiedliche Wege und nehmen uns im Podcast ein bisschen auf ihrer Reise mit. Und heute dreht sich diese Episode um das Thema globale Verantwortung und jetzt freue ich mich ganz besonders, verbunden zu sein mit der Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, Katja Dörner. Herzlich willkommen!

Katja Dörner

Ich freue mich, dass wir miteinander sprechen können.

Andrea Gerhard

Liebe Katja, wir haben uns auf das Du vorher geeinigt. Dafür danke ich dir sehr. Vielleicht kannst du uns noch mal so zwei, drei kurze Sätze zu dir sagen, zu deinem Werdegang, dich kurz bei uns vorstellen?

Katja Dörner

Ja, also noch mal danke, dass wir über so ein wichtiges Thema sprechen können. Katja Dörner, Ich bin jetzt seit etwas mehr als vier Jahren Oberbürgermeisterin von Bonn, davor war ich elf Jahre Bundestagsabgeordneter für die Grünen und auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen Bundestagsfraktion. Ich habe in meiner Zeit in Berlin zunehmend so für mich das Gefühl gehabt, klar es ist extrem wichtig, dass man auf der Bundesebene und natürlich auch auf der europäischen Ebene die richtigen Rahmenbedingungen setzt. Aber dass das, was mir so besonders am Herzen liegt, dass wir wirklich in den Klimaschutz investieren, also dass der Klimaschutz gelingt, dass die Verkehrswende gelingt, dass unsere Gesellschaft zusammen bleibt, ja, das entscheidet sich halt auf der kommunalen Ebene. Und ich bin auch von der Kommunalpolitik in den Bundestag gekommen. Und dann habe ich mich entschlossen zu versuchen, wieder zurückzugehen, sozusagen und an der Spitze der Stadt die Stadt Bonn in eine nachhaltige Zukunft zu führen, das ist mein Ziel und mein Anspruch, und das passt natürlich auch super zu dem Thema, über das wir heute sprechen.

Andrea Gerhard

Warum ist es denn der Stadt Bonn in einem globalen Kontext wichtig, auch Verantwortung zu übernehmen? Vielleicht hast du den Satz auch schon mal gehört: Wir haben doch genug eigene Probleme. Warum sollen wir uns denn jetzt um die Probleme von anderen in der Welt auch noch kümmern?

Katja Dörner

Ja klar, das ist durchaus immer eine Diskussion. Ja, warum machen wir das, wenn andere das eben auch nicht tun? Das ist natürlich in keinster Weise meine Haltung. Wir haben natürlich das große Glück, dass wir mit den Organisationen der Vereinten Nationen, aber eben auch mit vielen Nichtregierungsorganisationen, vielen Initiativen hier in Bonn, ein Netzwerk haben, das mit Blick auf Nachhaltigkeit ganz wichtige Impulse in die ganze Welt aussendet. Dann nehmen wir mal ganz viel Motivation auch mit für unsere eigene Nachhaltigkeitsaktivitäten. Und der Punkt ist natürlich auch, dass die globalen Herausforderungen, die globalen Krisen, ob das jetzt die Klimakrise ist, aber auch Kriege, Konflikte, die wirken sich natürlich unmittelbar auch in Bonn aus. Und deshalb ist es aus meiner Sicht auch unsere Aufgabe, uns damit zu beschäftigen und unseren Beitrag zu leisten. Und es ist eben auch aus meiner Sicht eine Win-Win-Situation. Und deshalb ist auch die Frage “Warum macht ihr das?” Ja, wenn andere das nicht tun, beispielsweise aus meiner Sicht ganz falsch gestellt, weil gerade auch in unsere Kooperationen mit unseren internationalen Projektpartnerstädten beispielsweise, ist es mitnichten so, dass nur die Bundesstadt Bonn da was rein gibt und die anderen profitieren, sondern es ist wirklich ein wechselseitiges Lernen. Und mein Eindruck ist, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Stadtgesellschaft in Bonn über die letzten Jahre sehr, sehr gut verankert worden ist. Wir machen auch viele Aktivitäten nach außen, beispielsweise mit unseren SDG- Tagen, wo wirklich ganz viele unterschiedliche Player dann auch eine ganze Woche beispielsweise zu den SDGs informieren und Veranstaltungen machen, dass wirklich in der Breite der Bonner Bevölkerung auch der Mehrwert mittlerweile klar ist, warum wir uns an den SDGs orientieren und warum wir auch international dafür tätig sind.

Andrea Gerhard

Mit welchen Maßnahmen setzt sich denn die Stadt Bonn konkret für die Umsetzung der Agenda 2030 und auch der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN auf kommunaler Ebene ein?

Katja Dörner

Also da ist es wirklich wichtig, dass unsere kommunale Nachhaltigkeitsstrategie, die ist ein Produkt, aber diesem Produkt, da liegt ja ein Prozess vor. Und dieser Prozess ist eigentlich das Wichtige, weil es darum geht, in der gesamten Stadtverwaltung das Thema Nachhaltigkeit und SDGs zu verankern. Und ich glaube, dass uns das mit der Nachhaltigkeitsstrategie sehr gut gelungen ist, dass alle Ämter wissen: Wie zahlen wir auf diese Strategie ein? Und das monitoren wir natürlich auch. Und weil Nachhaltigkeit ja so breit ist, ist es mir ganz wichtig, auch darauf hinzuweisen, dass wir beispielsweise auch bei unserem behindertenpolitischen Teilhabeplan den Aspekt Nachhaltigkeit integrieren. Dass wir in unserer Kulturpolitik mittlerweile eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt haben. Also wir haben gerade unlängst als Stadtrat die nachhaltige Kulturstrategie für die Bundesstadt Bonn verabschiedet, wo sich eben auch strategisch unsere Kulturpolitik an den Zielen der Nachhaltigkeit ausrichtet. Und natürlich sind wir auch sehr aktiv in den Bereichen, die man vielleicht im engeren Sinne mit Nachhaltigkeit verbindet. Wir haben einen Klimaplan, um klimaneutral zu werden bis 2035. Sehr ambitionierter Klimaplan, der auch so ausgerichtet ist, dass wir uns im Rahmen unseres CO 2 Budgets, also Paris, konform aufstellen. Das ist natürlich mit Blick auf die Klimakrise extrem wichtig. Wir arbeiten gerade in den Endzügen an einer integrierten, Anpassungsstrategie, an die Folgen der Klimakrise. Haben sehr viele Maßnahmen im Rahmen der Mobilitätswende, wo es natürlich darum geht, saubere Luft, aber auch eine lebenswertere Stadt damit zu erreichen. Also diese Ziele, die sind bei uns eben wirklich integriert gedacht und der strategische Ansatz das zu tun ist wirklich unsere Nachhaltigkeitsstrategie und dafür ist die extrem wertvoll.

Andrea Gerhard

Und jetzt mal so Hand aufs Herz. In Hamburg würde man sagen: Butter bei die Fische. Wie zufrieden bist du aktuell mit der Umsetzung eurer Nachhaltigkeitsstrategie? Also merkt ihr schon, wo es besonders gut läuft oder wo vielleicht noch ein bisschen Nachbesserungsbedarf ist, wo es vielleicht gerade auch ein bisschen hakt? Und denkst du, dass ihr eure ja doch ambitionierten Ziele, die du ja auch eben schon genannt hast, dass ihr die erreicht könnt?

Katja Dörner

Also ich bin wirklich zufrieden mit dem, was wir mit der Nachhaltigkeitsstrategie erreichen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass das Thema schon sehr lange gesetzt ist. Also seit 2005/2006, ich glaub 2006 haben wir das erste Mal über Nachhaltigkeit berichtet. Jetzt noch nicht in einer umfassenden Strategie, aber durchaus, das Thema ist in der Stadtverwaltung und in der Breite der Stadtgesellschaft sehr gut gesetzt. Klar, unser Klimaplan ist ein Kernstück aktuell, und da investieren wir auch wirklich sehr viel und da sind wir auch im Vergleich der anderen Kommunen wirklich sehr, sehr vorneweg und ich denke, auch bei der Mobilitätswende, was wir da in den letzten wenigen Jahren haben umsetzen können mit Blick auf Investitionen in die Fahrradinfrastruktur beispielsweise, aber auch in den ÖPNV, sind wir auch sehr vorne mit dabei. Das Problem, dass wir zunehmend bekommen, wie alle anderen Städte auch, sind halt finanzielle Restriktionen. Wir haben im Bereich der Biodiversität beispielsweise in den letzten Jahren sehr, sehr viel investiert. Also wir haben das, was wir früher so an Standardbepflanzungen in der Stadt hatten, das machen wir gar nicht mehr. Wir machen komplett nachhaltige Bepflanzung und mehrjährige Stauden, die insbesondere Insektenfreundlich sind. Also das bringen wir in die Stadt, aber das sind halt alles Projekte, da muss man auch Finanzmittel in die Hand nehmen, und da merken wir jetzt in den Haushaltsberatungen: Okay, da müssen wir beispielsweise den Rollout auch ein bisschen verlangsamen, weil uns da die finanziellen Mittel fehlen. Also das ist eigentlich gerade eine große Restriktion.

Andrea Gerhard

Wenn wir über die Agenda 2030 sprechen, hat ja Bonn nicht nur ein eigenes Nachhaltigkeitskonzept, sondern arbeitet auch mit seinen Partnerstädten an der Umsetzung der Agenda 2030. Und so fand zum Beispiel 2022, soweit ich informiert bin, die SDG-Partnerschaftskonferenz in Bonn statt. Das war ja dann auch schon zu deiner Amtszeit in der Stadt. Bonn hat damals alle Partnerstädte eingeladen, um gemeinsam über Ideen und Herausforderungen für eine nachhaltigere Entwicklung in der in den Kommunen zu sprechen. Was ist so der Rückblick? Welchen Mehrwert hat die die Konferenz gebracht und wie arbeitet ihr mit den Partnerkommunen im Globalen Süden zusammen, um die SDGs beispielsweise zu erreichen?

Katja Dörner

Also mit unseren Partnerstädten arbeiten wir an sehr konkreten Projekten. Also beispielsweise Cape Coast, mit denen wir ja einen sehr engen Austausch haben, haben wir ein konkretes Projekt umgesetzt, um die Lagune zu entmüllen beispielsweise und haben daraus dann auch längerfristig mit denen eine Strategie entwickelt mit Blick auf Abfallrecycling. Also, das ist so ein ganz konkreter Wissenstransfer, also voneinander lernen an der Stelle, wo man dann ja sich wechselseitig auch beraten kann. Und das ist ja der Kern dessen, was wir mit unseren Partnerstädten machen. Und der große Mehrwert der Konferenz, die in Bonn stattgefunden. Wir haben halt bis zu dem Zeitpunkt mit unseren Partnerstädten bilateral zusammengearbeitet. Und dadurch, dass alle nach Bonn gekommen sind, sind wir halt wirklich in ein Netzwerk, in den Austausch gekommen und konnten die Erfahrungen aus den einzelnen Projekten zusammentragen. Und das haben alle Teilnehmenden mir zurückgespiegelt. Dass das noch mal so ein echtes on top Mehrwert war, ja da die Erfahrungen noch mal ganz anders miteinander teilen zu können. Also es war sicher eine sehr gute, gute Erfahrung.

Andrea Gerhard

Ja, das glaube ich. Das ist natürlich toll, wenn man dann einfach auch mal in den direkten Austausch geht und vielleicht nicht immer nur per Videokonferenz oder ähnliches zusammengeschaltet ist. Ich habe noch erfahren und gelesen, dass die Stadt Bonn auch seit kurzem eine Solidaritätspartnerschaft mit Cherson in der Ukraine eingegangen ist. Wie unterstützt denn Bonn Cherson in diesen wirklich herausfordernden und schwierigen Zeiten? Und wie sieht so eine Zusammenarbeit in einer Kriegssituation aus? Können wir uns das vorstellen?

Katja Dörner

Also es ist tatsächlich so gewesen, dass Cherson auf uns zugekommen ist. Die haben uns geschrieben und uns um Unterstützung gebeten. Und ich hatte tatsächlich schon länger darüber nachgedacht, in der Kriegssituation eine konkrete Kooperation mit einer ukrainischen Stadt einzugehen, und das war aber gar nicht so einfach zu entscheiden: Mit welcher Stadt macht man das? Ja, weil wir in Bonn in der ukrainischen Community, da auch ganz unterschiedliche Interessen hatten, je nachdem, wo die Menschen selber herkommen, hatten die natürlich ein großes Interesse mit der Region oder mit der Stadt zusammenzuarbeiten. Und als Cherson uns dann geschrieben hat, habe ich gedacht, ja, das ist doch super. Die wenden sich direkt an uns und dann greife ich das doch auf. Und dann habe ich das dem Stadtrat vorgeschlagen und das war gar nicht so eine einfache Diskussion, weil Cherson eine Frontstadt ist, die auch, als sie sich an uns gewandt hatten, gerade erst wieder für die ukrainische Seite zurückerobert war und es eben immer unklar war: Wie entwickelt sich das? Wird die wieder durch die russische Armee eingenommen? Wie gehen wir dann mit der Situation um? Und dankenswerterweise hat der Stadtrat aber einstimmig beschlossen, dass wir diese Projektpartnerschaft machen, weil wir gesagt haben, gerade diese Städte brauchen besonders viel Unterstützung. Und es ist halt weiterhin so, dass Cherson tagtäglich beschossen wird und es auch immer wieder Tote in Cherson zu beklagen gibt. Und umso wichtiger ist es natürlich, dass wir die Stadt unterstützen. Wir machen das auf unterschiedlichen Kanälen, also wir machen ziemlich viel kulturelle Veranstaltungen, wir haben eine große Spendenpartner, schafft mit der Organisation Help - Hilfe zur Selbsthilfe, die ihren Sitz in Bonn hat. Mit denen habe ich unmittelbar ein Gespräch führen können und mit denen machen wir eine große Spendenkampagne. Und die Spenden gehen dann über Help, weil Help ja selber eine Struktur in der Ukraine hat, beispielsweise zur Unterstützung von dem Kinderkrankenhaus in Cherson, Hygieneartikel et cetera, also diese Art von Materialien, die da gebraucht werden. Und darüber hinaus schicken wir aus unseren städtischen Beständen Material und auch Fahrzeuge. Wir kooperieren auch mit dem BMZ, die ja dankenswerterweise auch einen eigenen Fond haben, aus dem Kommunen dann auch Fördermittel beantragen können. Da arbeiten beispielsweise unsere Stadtwerke Bonn Netz sehr eng mit Cherson zusammen, wo es um die Sicherstellung der Wasserversorgung beispielsweise geht. Da senden wir auch Material. Und wir hatten im Februar 2024 eine Delegation aus Cherson zu Besuch hier bei uns in Bonn und das war wirklich sehr, sehr gut. Einen hat das natürlich noch mal die Solidarität mit den ukrainischen Freundinnen und Freunden sehr stark unterstützt und noch mal bekräftigt. Die haben aber auch ein richtig hartes Programm gehabt über zweieinhalb Tage und haben die Verkehrsbetriebe besucht, die haben die Müllverwertungsanlage besucht und eben den Austausch gehabt zu ganz konkreten Fragen. Und das sind eben auch dann ganz konkrete Kooperationen in so wichtigen Fragen der Daseinsvorsorge zustande gekommen. Also unsere Unterstützung Richtung Cherson ist sehr, sehr breit aufgestellt.

Andrea Gerhard

Ja, sehr beeindruckend. Gibt es denn auch was, was dann auch Bonn für sich da mitnimmt und wo auch Bonn sozusagen von Cherson lernt? Weil es ist ja auch schön, wenn so eine Partnerschaft eigentlich auch auf Gegenseitigkeit dann beruht.

Katja Dörner

Gut, also aktuell ist natürlich die Situation so, dass wir in erster Linie Cherson unterstützen, weil die permanent zerstört werden. Ne, also was das Material angeht und so, dass es schon eher eine einseitige Geschichte und das ist auch absolut richtig und gut so. Was wir extrem ja von den Freundinnen und Freundinnen in Cherson lernen können, ist die Zukunftsorientierung, die die haben. Also, und das hat wirklich auch noch mal in unsere Stadtverwaltung mit ausgestrahlt. Auch als die Delegation da war. Die sind immer noch im Krieg, die werden permanent beschossen, es wird permanent substanziell etwas zerstört. Und nichtsdestotrotz haben die einen totalen Ansatz auf Nachhaltigkeit. Das haben wir immer formuliert und haben diesen Ansatz von Building Back Better immer nach vorne gestellt und das fand ich extrem beeindruckend in deren Situation und sowas finde ich auch sehr motivierend. Und das habe ich auch bei allen Kolleginnen und Kollegen gespürt, dass man doch denkt: Okay, also wenn man in so einer Situation so einen Zukunftsoptimismus haben kann und sich nachhaltig nach vorne entwickeln möchte, wirklich auch mit Blick auf Klimaschutz mit Blick auf Biodiversität, also konkret von den Freundinnen und Freunden aus Cherson formuliert, hätten wir wahrscheinlich nicht in die Diskussion gebracht angesichts von deren tatsächlicher Alltagssituation. Aber sie haben das von sich aus gemacht und dann habe ich immer gedacht: Wow, also das können wir dann ja wohl auch.

Andrea Gerhard

Es klingt wirklich danach, dass hier schon ganz viel geschafft habt, aber auch wirklich auch nach intensiver Arbeit und vielen Prozessen, die da in Bonn am Laufen sind. Welche Rolle spielt denn bei diesem ganzen Engagement, was ihr macht, eure Zivilgesellschaft, die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Bonn?

Katja Dörner

Also das ist natürlich total zentral, dass wir viele Partnerinnen und Partner in der Zivilgesellschaft haben, und das ist zum Glück in Bonn auch so. Wir haben in Bonn auch das Bonner Netzwerk für Entwicklung, das ist ein Zusammenschluss von vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich für globale Gerechtigkeit, für Nachhaltigkeit einsetzen. Da bringen wir die unterschiedlichen Player dann auch gut zusammen. Und wir haben natürlich auch mit der GTZ, dem BMZ, den internationalen Organisationen, unserem internationalen Frauenzentrum einfach sehr, sehr viele zivilgesellschaftlich gut aufgestellte Partner, Partnerinnen, die uns eben auch ermöglichen, diesen globalen Ansatz, den Nachhaltigkeitsansatz, in den unterschiedlichen Dimensionen in der Stadt mit nach vorne zu bringen. Und das finde ich für die Stadt Bonn schon ein echtes Privileg.

Andrea Gerhard

Zum Abschluss einen kleinen Blick über den Tellerrand: Welche Rolle spielen denn Kommunen in Deutschland deiner Meinung nach insgesamt, wenn es darum geht, die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

Katja Dörner

Also absolut wichtige Rolle. Ich glaube, es ist ja auch mal berechnet worden, dass 65 Prozent der SDGs überhaupt nur erreicht werden können, wenn die Kommunen ihren Beitrag dazu leisten. Ich glaube schon allein diese Zahl zeigt, wie wichtig das ist. Und wenn ich mir die Aktivitäten der Kommunen anschaue, insbesondere natürlich auch der Städte, ich bin ja auch Vizepräsidentin des Deutschen Städtetags und bekomme da schon einiges mit, dann sieht man, dass die Städte eben ganz konkret Nachhaltigkeit auf die Straße bringen und dass natürlich auch viel besser können als andere Ebenen, weil wir unmittelbar mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammenarbeiten. Und ich würde mir wünschen, dass in vielen internationalen Prozessen, gerade auch in diesen stärker formalisierten internationalen Prozessen, die Kommunen noch stärker involviert sind. Also wenn beispielsweise über die Weiterentwicklung der Agenda 2030 nachgedacht wird, und über die Weiterentwicklung der globalen Entwicklungsziele, dann, finde ich, müssen die Kommunen noch viel stärker integriert werden, weil wir, A, extrem viel Erfahrung einspeisen können und, B, die sind, die es dann in einem ganz großen Umfang dann nachher auch umsetzen. Ich will nicht sagen müssen, sondern dürfen. Und deshalb würde ich mir da mehr Involviertheit wünschen. Also mit Blick auf den Klimaschutz habe ich ja über ICLEI über unser internationales Netzwerk auch mit Blick auf Nachhaltigkeit der Städte, mich sehr dafür stark gemacht. Für die Jump Initiative, das ist eine Initiative, die darauf abzielt, dass die Klimaziele zukünftig auch unter Einbezug der Kommunen festgelegt und erarbeitet werden, Also da sind wir jetzt gerade dran, unseren Fuß als Kommunen immer mehr in die Tür zu schieben und die Tür immer ein bisschen weiter aufzumachen, damit wir da eben auch unsere Erfahrungen einspeisen können. Also das wäre ein Wunsch an der Stelle und vielleicht zum Abschluss, dass wir das, was wir können und wollen, da noch besser einbringen können.

Andrea Gerhard

Letzte Frage an dich, beziehungsweise ein Rat von dir, für andere Kommunen, die du ihnen mitgeben möchtest, die sich ebenfalls vielleicht für eine nachhaltige und gerechtere Welt engagieren wollen: Was würdest du ihnen raten? Wo sollten, können, dürfen sie müssen Sie vielleicht am besten ansetzen?

Katja Dörner

Also ich hab ja wirklich das Privileg gehabt, das unheimlich tolle Strukturen schon da waren, als ich Oberbürgermeisterin geworden bin. Ich denke, dass es wirklich in der Kommune auch darauf ankommt, dass an der Verwaltungsspitze Menschen dieses Thema wirklich befördern wollen. Das ist sicher zentral und sonst funktioniert es nicht. Das Schöne ist, dass man auch Unterstützung bekommt, also beispielsweise SKEW. Wir reden ja nicht ohne Grund jetzt heute sozusagen in der Konstellation miteinander. Es gibt es viele Netzwerke, konkrete Unterstützung, sich dann auch beraten zu lassen, wie man eben auch als Kommune einen guten Anknüpfungspunkt findet. Und im Zweifelsfall, finde ich, sollte man sich ein konkretes Vorhaben raussuchen. Nachhaltige Beschaffung beispielsweise eignet sich aus meiner Sicht sehr, sehr gut, um in so einen Prozess einzusteigen. Das ist ja auch etwas, was die Stadt Bonn sehr früh gemacht hat, sich mit nachhaltiger Beschaffung auseinanderzusetzen und von so einem Ausgangspunkt dann eben ein Rollout zu machen, auch zu anderen Themen mit Blick auf die Agenda 2030.

Andrea Gerhard

Mhm, also quasi gerne Unterstützung holen und dann step by step vorangehen. Das nehme ich auf jeden Fall hier sozusagen mit als deinen Rat an andere Kommunen. Ja vielen Dank, das war Katja Dörner, Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, Ich sage wirklich herzlichen Dank für deine Zeit, für die die Einblicke, die du uns gegeben hast, und vor allem für euer tolles Engagement. Bitte macht weiter so.

Katja Dörner

Dankeschön. Das hat viel Spaß. Und ja, ich freue mich, wenn wir auch weiter in Kontakt bleiben.

Andrea Gerhard

Ja, das bleiben wir auf jeden Fall. Ich ja, und das war sie, unsere Kommune bewegt Welt Episode zum Thema globale Verantwortung. An der Stelle möchte ich wie immer noch auf unsere Shownotes verweisen. Dort findet ihr nicht nur weitere Infos zu den Projekten der Stadt Bonn, sondern auch alle Links zu den Angeboten der SKEW, der Servicestelle Kommunen in der einen Welt, inklusive Kontaktdaten wie Mail und Telefonnummer. Und die SKEW kann unterstützen bei dem Aufbau und Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie beim Thema Fairer Handel und faire Beschaffung oder beim Aufbau und der Projektarbeit von Partnerschaften mit dem Globalen Süden, auch von ganz konkreten Maßnahmen wie zum Beispiel der Förderung der SDG-Konferenz, von der auch Katja heute hier berichtet hat. Damit sage ich danke fürs Zuhören bis zur nächsten Episode. Denkt daran, unseren Podcast zu abonnieren, zu bewerten oder weiterzuempfehlen. Das würde uns sehr freuen. Alles Gute bis dahin - eure Andrea. Der Podcast Kommune bewegt Welt wird produziert von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global und im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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